Warum du dich nie gut genug fühlst – obwohl du längst genug leistest
Vielleicht kennst du diesen Gedanken.
Du hast etwas geschafft, aber statt dich darüber zu freuen, siehst du zuerst, was noch fehlt.
Jemand macht dir ein Kompliment, und ein Teil von dir sucht sofort nach einem Grund, warum es eigentlich gar nicht stimmt.
Du hast viel geleistet, dich gekümmert, durchgehalten, gelernt und immer wieder versucht, dein Bestes zu geben. Und trotzdem gibt es diese leise Unruhe in dir, die fragt:
Reicht das wirklich?
Ich kenne diese Frage gut.
Lange habe ich gar nicht verstanden, wie sehr sie mein Leben beeinflusst hat. Ich hätte wahrscheinlich gesagt, dass ich einfach hohe Ansprüche an mich habe. Dass ich gründlich bin. Dass ich mich weiterentwickeln möchte.
Und natürlich ist nichts falsch daran, etwas gut machen zu wollen.
Schwierig wird es dort, wo du nicht mehr nur eine Sache verbessern möchtest, sondern unbewusst versuchst, dich selbst zu verbessern, damit du dich endlich gut genug fühlen kannst.
Genau da beginnt ein Kreislauf, der unglaublich anstrengend werden kann.
Wenn aus „Ich möchte es gut machen“ ein „Ich muss gut genug sein“ wird
Es gibt einen Unterschied zwischen dem Wunsch, etwas gut zu machen, und dem Gefühl, durch das Ergebnis etwas über den eigenen Wert beweisen zu müssen.
Von außen ist dieser Unterschied kaum sichtbar.
Du kannst in beiden Fällen fleißig sein. Du kannst lernen, dich vorbereiten, Verantwortung übernehmen und hohe Ansprüche an dich stellen.
Aber innerlich fühlt es sich vollkommen anders an.
Wenn du etwas aus Interesse oder Freude verbessern möchtest, darfst du irgendwann zufrieden sein.
Wenn du dagegen versuchst, durch deine Leistung deinen eigenen Wert zu bestätigen, verschiebt sich die Grenze immer wieder.
Dann reicht das Erreichte selten lange.
Du hast etwas geschafft – und findest den nächsten Fehler.
Du hast etwas gelernt – und siehst, was du noch nicht weißt.
Du hast einen Schritt gemacht – und vergleichst dich mit jemandem, der schon zehn Schritte weiter zu sein scheint.
So kann ein Mensch unglaublich viel leisten und sich gleichzeitig ständig unzulänglich fühlen.
Ich habe lange geglaubt, ich müsste einfach noch ein bisschen weiterkommen.
Noch etwas lernen.
Noch etwas verbessern.
Noch besser vorbereitet sein.
Doch irgendwann musste ich erkennen, dass ich auf diese Weise niemals ankommen würde.
Denn das Problem war nicht, dass mir immer noch etwas fehlte.
Das Problem war, dass ich meinen eigenen Wert immer wieder davon abhängig machte, was ich als Nächstes erreichen würde.
Das Gefühl „nicht gut genug“ beginnt oft viel früher
Niemand kommt auf die Welt und denkt: Mit mir stimmt etwas nicht.
Solche Überzeugungen entstehen.
Manchmal durch deutliche Worte. Manchmal viel leiser.
Ein Kind beobachtet sehr genau, wann es Anerkennung bekommt, wann jemand enttäuscht ist, wann es Aufmerksamkeit erhält und wann nicht. Es versteht Zusammenhänge noch nicht wie ein Erwachsener. Es zieht seine eigenen Schlüsse.
Vielleicht muss ich braver sein.
Vielleicht darf ich nicht so empfindlich sein.
Vielleicht sollte ich mehr leisten.
Vielleicht bin ich zu viel.
Oder eben:
Vielleicht bin ich einfach nicht gut genug.
Solche Gedanken können sich tief einprägen, gerade weil wir sie irgendwann nicht mehr als Gedanken erkennen.
Sie werden zu etwas, das sich wahr anfühlt.
Und Jahre später reagieren wir noch immer darauf, obwohl wir längst erwachsen sind.
Dann nennen wir es Perfektionismus.
Ehrgeiz.
Verantwortungsgefühl.
Bescheidenheit.
Oder wir glauben einfach, dass wir eben so sind.
Doch manchmal steckt darunter immer noch die alte Hoffnung:
Wenn ich es nur richtig mache, werde ich mich irgendwann gut genug fühlen.
Warum mehr Leistung dieses Gefühl oft nicht heilt
Das ist etwas, das ich selbst erst spät verstanden habe.
Wenn das Gefühl, nicht zu genügen, im Inneren entstanden ist, lässt es sich kaum dauerhaft durch äußere Erfolge beruhigen.
Natürlich tut Anerkennung gut.
Ein Lob kann uns freuen. Ein Erfolg kann uns stolz machen. Ein erreichtes Ziel kann uns zeigen, was wir können.
Aber wenn wir diese Dinge brauchen, um uns überhaupt wertvoll zu fühlen, hält die Erleichterung häufig nicht lange.
Denn schon bald taucht die nächste Situation auf, in der wir uns wieder beweisen müssen.
Genau deshalb kann ein Mensch von außen erfolgreich wirken und innerlich trotzdem voller Zweifel sein.
Es fehlt nicht unbedingt noch ein Erfolg.
Es fehlt das Vertrauen, dass der eigene Wert nicht jedes Mal neu verdient werden muss.
Manchmal zeigt sich Selbstzweifel nicht als Unsicherheit
Früher hätte ich gedacht, ein Mensch mit Selbstzweifeln sei jemand, der sich wenig zutraut und deshalb nichts wagt.
Heute sehe ich das anders.
Selbstzweifel können auch sehr beschäftigt aussehen.
Sie können dich dazu bringen, ständig zu lernen.
Alles dreimal zu kontrollieren.
Dich für andere verantwortlich zu fühlen.
Es allen recht machen zu wollen.
Schlecht Nein sagen zu können.
Dich mit anderen zu vergleichen.
Etwas immer wieder zu überarbeiten.
Oder sogar noch einmal ganz von vorne anzufangen, weil du dem, was bereits entstanden ist, nicht vertraust.
Gerade deshalb bleiben solche Muster manchmal so lange unbemerkt.
Von außen sieht man eine Frau, die viel schafft.
Innen sitzt vielleicht eine Frau, die immer noch darauf wartet, dass irgendwann jemand – oder irgendetwas – ihr endgültig bestätigt:
Jetzt bist du gut genug.
Doch genau diese endgültige Bestätigung kommt von außen selten.
Der Wendepunkt beginnt nicht mit einem besseren Ich
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich auf meinem eigenen Weg gewonnen habe:
Ich muss nicht erst eine bessere Version meiner selbst werden, um anfangen zu dürfen, mir zu vertrauen.
Das klingt zunächst fast zu einfach.
Denn wir sind so daran gewöhnt, Veränderung mit Verbesserung zu verbinden.
Wir wollen selbstbewusster werden. Stärker. Konsequenter. Mutiger. Gelassener.
Und wieder entsteht schnell ein neues Zielbild von der Frau, die wir erst noch werden müssen.
Doch was, wenn die Rückkehr zu dir an einer anderen Stelle beginnt?
Nicht mit der Frage:
Wie werde ich endlich gut genug?
Sondern:
Warum glaube ich eigentlich noch immer, dass ich es nicht bin?
Diese Frage verändert etwas.
Denn plötzlich musst du nicht mehr gegen dich arbeiten.
Du kannst anfangen hinzusehen.
Woher kenne ich diese Stimme?
Wann wird sie besonders laut?
Welche Entscheidungen treffe ich aus ihr heraus?
Wo halte ich mich zurück?
Wo überfordere ich mich?
Und wo versuche ich noch immer, etwas zu beweisen, obwohl niemand mehr von mir verlangt, diesen Beweis zu erbringen?
Genau deshalb habe ich „Nicht gut genug“ geschrieben
Als ich an meinem neuen Buch arbeitete, wurde mir immer wieder bewusst, wie viele Bereiche unseres Lebens von diesem einen Gefühl berührt werden können.
Es geht nicht nur um Selbstbewusstsein.
Es geht darum, wem wir glauben.
Wie wir mit Fehlern umgehen.
Welche Grenzen wir setzen.
Was wir uns zutrauen.
Wie wir Entscheidungen treffen.
Warum wir uns vergleichen.
Warum wir manchmal bleiben, obwohl uns etwas nicht guttut.
Und warum wir uns selbst so viel schwerer verzeihen als anderen.
Mein Buch ist deshalb nicht aus der Haltung entstanden: Ich habe alles überwunden und erkläre dir jetzt, wie es geht.
Das wäre nicht meine Wahrheit.
Ich kenne diesen Weg von innen.
Ich kenne das Zweifeln, das Verbessern, das erneute Hinterfragen und dieses Gefühl, noch nicht weit genug zu sein.
Aber ich kenne inzwischen auch etwas anderes:
den Moment, in dem man beginnt, der alten Stimme nicht mehr automatisch zu glauben.
Vielleicht ist genau das der Anfang.
Nicht, dass der Satz „Ich bin nicht gut genug“ nie wieder auftaucht.
Sondern dass du ihn irgendwann hörst und nicht mehr sofort dein ganzes Leben danach ausrichtest.
Vielleicht musst du heute nichts an dir verändern
Wenn du dich häufig nicht gut genug fühlst, möchte ich dir deshalb heute keine Liste mit fünf Dingen geben, die du ab morgen besser machen sollst.
Das wäre fast schon wieder dieselbe alte Geschichte.
Vielleicht reicht für heute eine einzige Frage:
Wo versuche ich gerade, meinen Wert zu beweisen, obwohl ich eigentlich nur mein Leben leben möchte?
Bleib einen Moment bei dieser Frage.
Vielleicht fällt dir eine Beziehung ein.
Deine Arbeit.
Dein Aussehen.
Eine Entscheidung, die du schon lange vor dir herschiebst.
Oder etwas, das du immer wieder verbesserst, weil du dich noch nicht traust, es hinaus in die Welt zu geben.
Du musst daraus heute noch keine große Veränderung machen.
Manchmal beginnt die Rückkehr zu uns selbst viel leiser.
Mit dem Moment, in dem wir erkennen:
Da ist sie wieder, diese alte Stimme. Aber vielleicht muss ich ihr diesmal nicht folgen.
Mein Buch „Nicht gut genug“
Mein neues Buch „Nicht gut genug – Wie Selbstzweifel dein Leben prägen – und wie du wieder lernst, dir selbst zu vertrauen“ ist für Frauen geschrieben, die müde geworden sind, sich selbst immer wieder beweisen zu müssen.
Es geht darum, zu verstehen, woher diese alten Zweifel kommen, wie sie unser Leben beeinflussen können und wie langsam wieder etwas entstehen kann, das vielen von uns irgendwann verloren gegangen ist:
Vertrauen in die eigene Stimme.
Das E-Book ist bereits erhältlich. Das Taschenbuch folgt nach der Freigabe.
→ Mehr über „Nicht gut genug“ erfahren
Herzlichst
Gudrun Marquardt