Wie viele Entscheidungen hast du getroffen, weil du dich nicht gut genug gefühlt hast?
Ich dachte lange, „nicht gut genug“ wäre einfach ein Gedanke.
Ein Zweifel, der eben manchmal auftaucht, wenn wir uns mit anderen vergleichen oder etwas Neues versuchen.
Heute sehe ich das anders.
Denn ein Gedanke, den wir oft genug denken und irgendwann für wahr halten, bleibt nicht einfach in unserem Kopf.
Er beginnt, unsere Entscheidungen zu beeinflussen.
Bei mir zeigte sich das auf unterschiedliche Weise.
Ich wollte mehr wissen, bevor ich etwas wagte. Ich wollte besser vorbereitet sein. Wenn etwas nicht so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt hatte, suchte ich den Fehler schnell bei mir.
Und manchmal begann ich wieder von vorne.
Damals hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass ich einfach gründlich bin oder hohe Ansprüche an mich habe.
Heute erkenne ich darunter noch etwas anderes.
Ich wollte sicher sein, gut genug zu sein.
Und diese Sicherheit kam nie dauerhaft.
Denn sobald ich etwas erreicht hatte, fand sich schon der nächste Bereich, in dem ich noch nicht so weit war, wie ich glaubte sein zu müssen.
Genau darin liegt für mich heute eine wichtige Erkenntnis.
Der Gedanke „Ich bin nicht gut genug“ hält uns nicht nur davon ab, etwas zu tun.
Manchmal lässt er uns sogar unglaublich viel tun.
Wir lernen.
Wir leisten.
Wir kümmern uns.
Wir versuchen, Erwartungen zu erfüllen.
Wir verbessern uns ständig.
Von außen kann das sogar nach Stärke aussehen.
Und trotzdem kann darunter immer dieselbe Frage liegen:
Reicht es jetzt? Bin ich jetzt gut genug?
Wenn die Antwort darauf immer von der nächsten Leistung, der nächsten Anerkennung oder der Meinung eines anderen Menschen abhängt, kommen wir kaum an einen Punkt, an dem wir wirklich sagen können: Ja.
Vielleicht beginnt Veränderung deshalb nicht damit, noch besser zu werden.
Vielleicht beginnt sie damit, überhaupt zu erkennen, wie viele Entscheidungen wir aus diesem alten Gefühl heraus treffen.
Diese Erkenntnis war auch einer der Gründe, warum ich mein Buch „Nicht gut genug“ geschrieben habe.
Nicht als Anleitung von jemandem, der über diesen Dingen steht.
Sondern aus der Perspektive einer Frau, die selbst begonnen hat, diese Zusammenhänge in ihrem eigenen Leben zu erkennen.
Dein Gedanke für heute
Beobachte heute einmal eine deiner Entscheidungen.
Nicht um sie sofort zu verändern.
Frag dich nur:
Entscheide ich das gerade, weil es wirklich zu mir passt – oder weil ich wieder versuche, gut genug zu sein?
Manchmal beginnt Veränderung mit nichts anderem als diesem kurzen Moment des Erkennens.
Und vielleicht hören wir genau dort langsam auf, unser Leben nach einem Maßstab auszurichten, den wir ohnehin niemals vollständig erfüllen können.
Wenn du tiefer gehen möchtest
In meinem neuen Buch „Nicht gut genug – Wie Selbstzweifel dein Leben prägen – und wie du wieder lernst, dir selbst zu vertrauen“ gehe ich genau diesen Fragen weiter nach.
Das Taschenbuch folgt nach seiner Freigabe.
Herzlichst
Gudrun Marquardt