Das Schönste im Leben muss nicht bereits hinter einem liegen – Impuls über Zukunft und neue Lebensphasen von Gudrun Marquardt.

Vielleicht ist dein Leben noch lange nicht fertig erzählt

Manchmal schauen wir auf unser Leben und denken vor allem an das, was bereits war.

An die Jahre, die vergangen sind.

An Entscheidungen, die wir getroffen haben.

An Menschen, die gekommen und gegangen sind.

An Dinge, die gelungen sind – und an andere, die wir heute vielleicht anders machen würden.

Irgendwann liegt tatsächlich eine ganze Menge hinter uns.

Und vielleicht entsteht dabei ganz unbemerkt ein Gefühl:

Das meiste meines Lebens ist doch längst entschieden.

Vielleicht ist das aber gar nicht wahr.

Wir wissen nicht, was noch vor uns liegt

Mit zwanzig denkt man selten darüber nach.

Da scheint das Leben noch riesig.

So viele Entscheidungen sind offen.

Wo werde ich leben?

Was werde ich arbeiten?

Wen werde ich lieben?

Was werde ich erleben?

Später sind viele dieser Fragen beantwortet.

Und trotzdem bedeutet das nicht, dass keine neuen mehr auftauchen dürfen.

Vielleicht gibt es einen Ort, den du noch nie gesehen hast.

Einen Menschen, den du noch nicht kennst.

Etwas, das du noch lernen wirst.

Eine Entscheidung, von der du heute noch nichts ahnst.

Vielleicht wirst du über etwas lachen, das noch gar nicht passiert ist.

Vielleicht wirst du irgendwann irgendwo sitzen und denken:

Gut, dass ich das noch gemacht habe.

Wir wissen es nicht.

Und genau darin liegt etwas Schönes.

Vielleicht muss ein neues Kapitel gar nicht spektakulär sein

Wenn wir von einem „neuen Kapitel“ sprechen, klingt das schnell nach großer Veränderung.

Neuer Beruf.

Neue Beziehung.

Auswandern.

Alles anders machen.

Aber vielleicht beginnt ein neues Kapitel manchmal viel unscheinbarer.

Du fängst wieder an, etwas zu tun, das du früher gern gemacht hast.

Du gehst allein irgendwohin, obwohl du das sonst nie getan hast.

Du lernst etwas Neues.

Du sagst einmal Ja, obwohl du normalerweise Nein gesagt hättest.

Oder Nein, obwohl du früher automatisch Ja gesagt hättest.

Du lernst einen Menschen kennen.

Du bekommst eine Idee.

Du beginnst etwas, von dem du noch gar nicht weißt, wohin es führt.

Erst später merkst du vielleicht:

Da hat sich etwas verändert.

Alter bedeutet nicht, dass die Geschichte feststeht

Natürlich verändert sich unser Leben.

Wir haben nicht mehr dieselben Möglichkeiten wie mit zwanzig.

Aber wir haben etwas anderes.

Wir kennen uns ein bisschen besser.

Wir wissen eher, was wir nicht mehr wollen.

Wir müssen nicht mehr jedem gefallen.

Und vielleicht beginnen wir langsam zu verstehen, wie kostbar unsere Zeit tatsächlich ist.

Das muss kein trauriger Gedanke sein.

Vielleicht ist es sogar ein befreiender.

Denn wenn Zeit wertvoll ist, dürfen wir anfangen, sie auch für Dinge zu benutzen, die uns wirklich etwas bedeuten.

Nicht irgendwann.

Jetzt.

Was möchtest du noch erleben?

Vielleicht ist das heute die einzige Frage, die ich dir mitgeben möchte.

Nicht:

Was musst du noch erledigen?

Was solltest du noch erreichen?

Was hast du bisher versäumt?

Sondern:

Was möchtest du noch erleben?

Vielleicht fällt dir sofort etwas ein.

Vielleicht auch nicht.

Dann lass die Frage einfach ein bisschen bei dir.

Denn dein Leben besteht nicht nur aus dem, was hinter dir liegt.

Da sind noch Tage, die du nicht kennst.

Gespräche, die noch nicht geführt wurden.

Orte, die du noch nicht gesehen hast.

Gedanken, die du noch nicht gedacht hast.

Und vielleicht sogar Seiten an dir, die du selbst noch nicht kennst.

Deine Geschichte ist noch nicht fertig erzählt.

Vielleicht ist genau das heute ein schöner Gedanke.

Herzlichst
Gudrun Marquardt

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