Wieder herausfinden, was man selbst möchte und die eigenen Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen – Gudrun Marquardt.

Du darfst wieder anfangen, dein Leben nach dir zu fragen

Vielleicht kennst du diese kleinen Fragen aus deinem Alltag.

Was möchtest du essen?

Wohin möchtest du fahren?

Was möchtest du am Wochenende machen?

Und vielleicht antwortest du oft ziemlich schnell:

Mir egal.

Entscheide du.

Wie du möchtest.

Das klingt zunächst nach etwas völlig Unwichtigem. Schließlich muss man nicht aus jeder Entscheidung eine Grundsatzfrage machen.

Aber manchmal lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Denn vielleicht weißt du sehr viel darüber, was andere möchten.

Du weißt, was ihnen schmeckt. Was sie brauchen. Was sie stört. Wann sie Hilfe benötigen. Was ihnen wichtig ist.

Nur bei einer Person musst du manchmal länger überlegen:

Bei dir selbst.

Vielleicht hast du lange nicht mehr gefragt

Wenn man über Jahre viel Verantwortung trägt, kann das ganz selbstverständlich passieren.

Man richtet sich nach dem, was gerade notwendig ist.

Nach der Familie.

Nach der Arbeit.

Nach Verpflichtungen.

Nach dem Geld.

Nach dem, was möglich ist.

Und natürlich gehört all das zum Leben.

Wir können nicht jeden Morgen aufstehen und so tun, als gäbe es keine Verpflichtungen.

Aber irgendwo zwischen all diesen vernünftigen Entscheidungen kann eine andere Frage immer leiser werden:

Was möchte eigentlich ich?

Nicht: Was wäre vernünftig?

Nicht: Was erwarten andere?

Nicht: Was müsste ich noch erledigen?

Sondern wirklich:

Was möchte ich?

Vielleicht fällt dir darauf nicht sofort eine Antwort ein.

Das bedeutet nicht, dass du keine Wünsche mehr hast.

Vielleicht hast du nur lange nicht mehr nach ihnen gefragt.

Du brauchst nicht sofort einen neuen Lebensplan

Bei solchen Fragen denken wir schnell zu groß.

Was möchte ich noch aus meinem Leben machen?

Wo möchte ich in fünf Jahren sein?

Was ist meine Berufung?

Was ist mein großer Traum?

Und plötzlich wird aus einer einfachen Frage wieder eine Aufgabe.

Vielleicht können wir kleiner anfangen.

Was würde mir heute Freude machen?

Worauf hätte ich am Wochenende Lust?

Was möchte ich wieder einmal sehen?

Mit wem verbringe ich gern Zeit?

Was würde ich gern lernen?

Was fehlt mir?

Was möchte ich nicht mehr?

Solche kleinen Antworten wirken vielleicht unbedeutend.

Aber vielleicht beginnt genau dort etwas.

Denn wenn du wieder wahrnimmst, was du möchtest, tauchst du langsam auch wieder in deinem eigenen Leben auf.

Deine Wünsche müssen nicht immer gewinnen

Natürlich können wir nicht jedem Wunsch folgen.

Manchmal fehlt die Zeit.

Manchmal das Geld.

Manchmal gibt es Menschen, auf die wir Rücksicht nehmen wollen.

Aber ein Wunsch muss nicht immer erfüllt werden, um wichtig zu sein.

Er darf zunächst überhaupt gehört werden.

Vielleicht liegt genau darin ein Unterschied.

Du musst dein Leben nicht plötzlich nur noch nach dir ausrichten.

Aber du darfst wieder eine der Personen sein, nach denen gefragt wird.

Und wenn niemand fragt, darfst du es selbst tun.

Was möchte ich eigentlich?

Vielleicht weißt du es heute noch nicht genau.

Dann lass die Frage ruhig ein bisschen bei dir.

Du musst sie nicht sofort beantworten.

Vielleicht fällt dir morgen etwas ein.

Oder nächste Woche.

Ein Ort.

Ein Buch.

Eine Reise.

Eine Idee.

Ein Nachmittag nur für dich.

Etwas, das du schon lange wieder einmal machen möchtest.

Und vielleicht ist es zunächst nur ein ganz kleiner Wunsch.

Das reicht.

Denn vielleicht beginnt die Rückkehr ins eigene Leben nicht mit einer großen Entscheidung.

Vielleicht beginnt sie mit einem Satz:

Ich frage mich wieder mit.

Herzlichst
Gudrun Marquardt

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