Textbild über das Kleinreden und Ausreden eigener Wünsche.
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Manchmal ist es nicht das Leben, das unsere Wünsche klein macht. Wir tun es selbst.

Es passiert manchmal innerhalb weniger Sekunden.

Da ist plötzlich ein Gedanke, der sich gut anfühlt.

Das würde ich gerne machen.

Dorthin würde ich gerne einmal fahren.

Vielleicht könnte ich noch einmal etwas Neues anfangen.

Eigentlich wünsche ich mir schon lange …

Und kaum ist dieser Gedanke da, beginnt im Kopf die Gegenrede.

Dafür habe ich keine Zeit.

Das kostet zu viel.

In meinem Alter?

Was soll daraus werden?

Sei doch realistisch.

Ich kenne diese Gespräche mit mir selbst gut.

Das Erstaunliche daran ist: Oft brauchte es gar keinen anderen Menschen, der mir einen Wunsch ausredete. Das konnte ich längst selbst.

Wir nennen es Vernunft

Natürlich können wir nicht jedem Wunsch folgen.

Wir haben Verpflichtungen. Wir müssen Entscheidungen abwägen. Geld, Zeit, Gesundheit und andere Menschen spielen in unserem Leben eine Rolle.

Darum geht es mir auch gar nicht.

Mich beschäftigt etwas, das viel früher passiert.

Warum muss ein Wunsch eigentlich schon in dem Moment vernünftig sein, in dem er entsteht?

Warum darf ich nicht erst einmal denken:

Das würde mir gefallen.

Ohne sofort wissen zu müssen, ob es möglich ist.

Ich habe Wünsche oft behandelt wie einen Antrag, der genehmigt werden musste.

Kaum waren sie da, mussten sie sich rechtfertigen.

Ist das sinnvoll?

Kannst du das überhaupt?

Was bringt dir das?

Und wenn ich darauf keine überzeugende Antwort hatte, wurde aus dem Wunsch schnell eine nette Idee, die irgendwann wieder verschwand.

Irgendwann wird man vorsichtiger mit dem eigenen Wünschen

Vielleicht beginnt genau hier etwas, das wir lange gar nicht bemerken.

Wenn wir unsere Wünsche oft genug zurückweisen, hören wir irgendwann auf, ihnen wirklich zuzuhören.

Nicht, weil wir nichts mehr wollen.

Sondern weil wir schon wissen, was danach kommt.

Das Aber.

Die Zweifel.

Die Rechnung.

Die möglichen Probleme.

Und irgendwann sagen wir:

„Eigentlich bin ich ganz zufrieden. Ich brauche nichts.“

Vielleicht stimmt das.

Aber manchmal frage ich mich, ob hinter diesem Satz nicht auch etwas anderes stecken kann:

Die Gewohnheit, von vornherein nur noch das zu wollen, was erreichbar, vernünftig und erklärbar erscheint.

Ein Wunsch ist noch keine Entscheidung

Diese Erkenntnis hat für mich etwas verändert.

Ich darf mir etwas wünschen, ohne es sofort tun zu müssen.

Ich darf mit einem Gedanken spielen.

Ich darf mich nach etwas sehnen.

Ich darf neugierig werden.

Und ich darf sogar etwas wollen, von dem ich heute noch keine Ahnung habe, wie es jemals möglich werden könnte.

Ein Wunsch verpflichtet mich zu nichts.

Aber er erzählt mir möglicherweise etwas über mich.

Darüber, was mir fehlt.

Was mich lebendig macht.

Wonach ich mich sehne.

Oder darüber, welcher Teil meines Lebens vielleicht schon lange zu wenig Raum bekommt.

Wenn ich jeden Wunsch sofort auf seine Machbarkeit reduziere, erfahre ich das nie.

Dein Gedanke für heute

Wenn heute ein Gedanke in dir auftaucht, der mit

„Ich würde so gerne …“

beginnt, dann hör einmal darauf, was unmittelbar danach kommt.

Vielleicht kommt dein gewohntes:

Ja, aber …

Du musst dieses Aber nicht bekämpfen.

Lass es nur einen Moment warten.

Und beende stattdessen erst einmal den ersten Satz:

Ich würde so gerne …

Was kommt danach?

Lass die Antwort stehen.

Heute musst du nichts daraus machen.

Denn nicht jeder Wunsch braucht sofort einen Plan.

Manche Wünsche brauchen zuerst nur die Erlaubnis, überhaupt wieder da sein zu dürfen.

Herzlichst
Gudrun Marquardt