Beiges Textbild mit Vase, Trockenblumen, Buch und dem Zitat „Was möchte eigentlich ich?“ von Gudrun Marquardt.

Wenn du nicht mehr weißt, was du eigentlich selbst willst

Manchmal ist es eine ganz einfache Frage, die einen unerwartet still werden lässt:

Was möchtest du eigentlich?

Eigentlich müsste die Antwort leicht sein. Schließlich geht es um das eigene Leben.

Und trotzdem kann es passieren, dass einem zuerst alles Mögliche einfällt – nur keine Antwort.

Was erledigt werden muss. Was gerade nicht geht. Was vernünftig wäre. Was andere brauchen. Wofür jetzt wirklich keine Zeit ist.

Nur das eigene Wollen bleibt erstaunlich still.

Ich kenne das.

Nicht weil ich nie Wünsche hatte. Sondern weil ich sehr gut darin geworden war, sie sofort zu überprüfen.

Kaum war da ein Gedanke, kam schon der nächste hinterher.

Ist das überhaupt realistisch?

Kann ich das wirklich?

Lohnt sich das noch?

Was, wenn es nicht funktioniert?

So kann ein Wunsch verschwinden, bevor man überhaupt richtig gespürt hat, dass er da war.

Man verliert sich nicht immer auf einmal

Ich glaube, wir stellen uns das manchmal viel dramatischer vor.

Als müsste es diesen einen Moment gegeben haben, an dem wir aufgehört haben, unser eigenes Leben zu leben.

Aber meistens gibt es diesen Moment gar nicht.

Es sind viele kleine Entscheidungen.

Heute geht etwas anderes vor.

Morgen auch.

Jemand braucht dich. Etwas muss erledigt werden. Geld muss verdient, ein Problem gelöst, eine Verpflichtung eingehalten werden.

Und natürlich gehört all das zum Leben.

Nur merkt man lange nicht, was dabei passieren kann.

Man wird immer besser darin, zu funktionieren.

Man weiß, wann man aufstehen muss. Was als Nächstes dran ist. Wer was braucht. Was noch fehlt.

Das Leben läuft.

Und trotzdem kann irgendwann dieses seltsame Gefühl auftauchen:

Ich kümmere mich um mein Leben – aber komme ich selbst darin eigentlich noch vor?

Diese Frage finde ich wichtiger als jede schnelle Antwort.

Ich hatte Wünsche – und machte sofort einen Plan daraus

Das habe ich lange nicht verstanden.

Wenn mich etwas interessierte, konnte ich es selten einfach interessant finden.

Es musste gleich irgendwohin führen.

War es sinnvoll?

Konnte etwas daraus werden?

War ich gut genug dafür?

Wie müsste ich anfangen?

Was müsste ich noch lernen?

Und plötzlich war aus etwas, das mich eigentlich angezogen hatte, schon wieder eine Aufgabe geworden.

Mit Erwartungen.

Mit einem Ziel.

Und mit der Möglichkeit zu scheitern.

Dabei hätte ich manchmal nur sagen müssen:

Das interessiert mich.

Mehr nicht.

Kein Plan.

Keine Rechtfertigung.

Kein Beweis, dass daraus irgendwann etwas Großes wird.

Vielleicht weißt du mehr, als du glaubst

Wenn eine Frau lange für andere da war, Verantwortung getragen und ihre eigenen Bedürfnisse immer wieder nach hinten geschoben hat, kann die Frage nach dem eigenen Wollen fast fremd werden.

Dann sagt sie irgendwann:

„Ich weiß gar nicht mehr, was ich will.“

Aber ich frage mich inzwischen, ob das immer stimmt.

Vielleicht wissen wir manches noch sehr genau.

Wir haben nur gelernt, es so schnell wegzureden, dass wir unsere eigene Antwort kaum noch hören.

Ich würde gerne …

Aber dafür bin ich zu alt.

Eigentlich wollte ich schon immer …

Aber jetzt lohnt sich das doch nicht mehr.

Manchmal wünsche ich mir …

Aber ich kann doch nicht einfach …

Da ist die Antwort.

Und direkt dahinter steht schon das Aber.

Was wäre, wenn das Aber heute einmal warten müsste?

Du musst dein Leben heute nicht verändern.

Du musst keinen Neuanfang beschließen.

Du brauchst keinen Fünfjahresplan.

Und du musst auch nichts aufgeben, nur weil du dir eingestehst, dass du dir etwas anderes oder etwas mehr wünschst.

Aber vielleicht kannst du dir eine Frage erlauben, ohne sie sofort vernünftig beantworten zu müssen:

Wenn ich niemandem erklären müsste, warum – was würde ich mir für mein weiteres Leben wünschen?

Nicht irgendwann in einem anderen Leben.

In diesem.

Vielleicht möchtest du noch etwas lernen.

Etwas aufbauen.

Mehr Ruhe.

Mehr Freiheit.

Mehr Zeit für dich.

Vielleicht möchtest du reisen, schreiben, einen Ort sehen, den du seit Jahren im Kopf hast, wieder kreativ sein oder einfach morgens aufwachen und nicht schon beim ersten Gedanken das Gefühl haben, funktionieren zu müssen.

Es muss niemand verstehen.

Es muss noch nicht einmal möglich erscheinen.

Denn heute geht es nicht darum, wie du dorthin kommst.

Es geht nur darum, ob du dir selbst noch erlaubst, die Antwort zu hören.

Dein Gedanke für heute

Ich habe lange geglaubt, Klarheit käme zuerst.

Erst müsste ich genau wissen, was ich will, wie es funktioniert und wohin es führt. Dann könnte ich losgehen.

Heute sehe ich das anders.

Manches wird erst klar, wenn wir aufhören, jede leise Regung in uns sofort zu beurteilen.

Deshalb möchte ich dir heute keine zehn Fragen mitgeben.

Nur eine:

Was würdest du dir wünschen, wenn du deinen Wunsch nicht sofort mit einem „Ja, aber …“ beantworten dürftest?

Lass die Frage ruhig eine Weile bei dir.

Vielleicht kommt die Antwort nicht sofort.

Aber wenn irgendwann ein kleiner Gedanke auftaucht, mach ihn nicht gleich wieder klein.

Denn möglicherweise hast du dich selbst gar nicht verloren.

Vielleicht bist du nur so lange an deiner eigenen Stimme vorbeigegangen, dass du wieder lernen musst, sie zu hören.

Herzlichst
Gudrun Marquardt

→ Wenn du weißt, was alle anderen brauchen – aber nicht mehr, was du selbst brauchst

→ Bücher über Selbstwert, Achtsamkeit und die Rückkehr zu dir