Ruhige Frau im warmen Licht als Symbol dafür, sich selbst zu vertrauen und der eigenen Stimme bei Entscheidungen mehr Gewicht zu geben.

Was, wenn du dir diesmal selbst glaubst?

Manchmal kennen wir unsere Antwort längst.

Wir spüren ziemlich genau, was wir möchten.

Was uns guttut.

Was wir nicht mehr wollen.

Welche Entscheidung eigentlich längst fällig wäre.

Und trotzdem fragen wir noch jemanden.

Was würdest du machen?

Dann vielleicht noch jemanden.

Wir lesen darüber.

Denken darüber nach.

Suchen nach Argumenten.

Und manchmal hoffen wir insgeheim auf einen Menschen, der endlich sagt:

„Ja. Genau das ist richtig.“

Dann könnten wir losgehen.

Dann müssten wir unserer eigenen Entscheidung nicht mehr ganz allein vertrauen.

Ich kenne dieses Bedürfnis gut.

Denn eine Entscheidung fühlt sich leichter an, wenn jemand anderes sie bestätigt.

Schwieriger wird es, wenn jemand sagt:

Das würde ich nicht machen.

Und plötzlich gerät etwas ins Wanken, das sich wenige Minuten zuvor noch ziemlich klar angefühlt hat.

Aber was, wenn deine Antwort nicht erst richtig wird, wenn jemand anderes sie bestätigt?

Dieser Gedanke hat etwas verändert.

Natürlich höre ich mir andere Meinungen an.

Manchmal sehen andere Menschen etwas, das ich übersehe.

Manchmal brauche ich Informationen.

Manchmal brauche ich einen Rat.

Aber Rat ist etwas anderes als Erlaubnis.

Und genau das habe ich lange nicht immer unterschieden.

Ich fragte nach einer Meinung – und gab dieser Meinung anschließend mehr Gewicht als meinem eigenen Gefühl.

Jemand musste nur überzeugend genug sprechen, und schon begann ich, meine eigene Wahrnehmung infrage zu stellen.

Vielleicht kennst du das.

Du weißt eigentlich, dass dir etwas nicht guttut.

Dann erklärt dir jemand, warum du dich irrst.

Du möchtest etwas ausprobieren.

Jemand nennt dir zehn Gründe, warum es nicht funktionieren könnte.

Du möchtest Nein sagen.

Jemand ist enttäuscht.

Und plötzlich denkst du:

Vielleicht bin ich doch das Problem.

Selbstvertrauen bedeutet nicht, immer recht zu haben

Das ist etwas, das ich heute anders sehe.

Sich selbst zu vertrauen bedeutet nicht:

Ich treffe immer die richtige Entscheidung.

Das kann niemand.

Vielleicht entscheiden wir uns für etwas und merken später, dass es doch nicht passt.

Vielleicht machen wir einen Fehler.

Vielleicht ändern wir unsere Meinung.

Vielleicht gehen wir einen Weg ein Stück und drehen dann um.

Aber auch dann ist nicht alles verloren.

Denn Selbstvertrauen kann etwas viel Bodenständigeres sein:

Ich vertraue mir zu, mit dem umzugehen, was aus meiner Entscheidung entsteht.

Lies diesen Satz ruhig noch einmal.

Denn vielleicht liegt genau darin eine Freiheit, die wir viel zu selten sehen.

Du musst die Zukunft nicht kennen, um dir selbst vertrauen zu dürfen.

Du musst nur wissen:

Wenn etwas anders kommt, darf ich neu entscheiden.

Vielleicht brauchst du keine weitere Meinung

Vielleicht gibt es gerade etwas in deinem Leben, über das du schon lange nachdenkst.

Und vielleicht hast du inzwischen genügend Informationen.

Dann stell dir heute nicht zum zehnten Mal die Frage:

Was würden die anderen machen?

Frag dich:

Was würde ich tun, wenn ich niemandem meine Entscheidung erklären müsste?

Manchmal kommt die Antwort erstaunlich schnell.

Vielleicht leise.

Vielleicht noch etwas unsicher.

Aber sie ist da.

Und vielleicht musst du ihr heute nicht sofort folgen.

Vielleicht reicht es für den Anfang, sie nicht gleich wieder wegzudiskutieren.

Hör dich selbst wieder

Du darfst andere Menschen fragen.

Du darfst Rat annehmen.

Du darfst deine Meinung ändern.

Aber zwischen all den Stimmen um dich herum sollte eine nicht ständig die leiseste sein:

deine eigene.

Vielleicht beginnt Selbstvertrauen genau dort.

Nicht mit einer riesigen mutigen Entscheidung.

Sondern in einem kleinen Moment, in dem du etwas spürst – und nicht sofort jemanden suchst, der dir sagt, ob du es spüren darfst.

Du weißt vielleicht nicht immer, was richtig ist.

Das musst du auch nicht.

Du darfst ausprobieren.

Du darfst lernen.

Du darfst korrigieren.

Du darfst dich irren.

Und du darfst trotzdem immer wieder zu dir zurückkommen.

Vielleicht brauchst du heute deshalb nicht mehr Sicherheit.

Vielleicht brauchst du etwas anderes:

den Mut, deiner eigenen Stimme ein bisschen mehr Gewicht zu geben.

Und wer weiß.

Vielleicht weißt du längst viel mehr über dein eigenes Leben, als du dir bisher zugetraut hast.

Herzlichst
Gudrun Marquardt

Donnerstag:

→ Vielleicht übersiehst du gerade, wie weit du schon gekommen bist

→ Wann hast du aufgehört, deiner eigenen Stimme zu vertrauen?

→ Weitere Tagesimpulse
→ Meine Bücher