Du musst nicht warten, bis du dich bereit fühlst
Ich habe in meinem Leben oft auf dieses eine Gefühl gewartet.
Auf den Moment, in dem ich mir sicher bin.
Sicher genug, um eine Entscheidung zu treffen. Sicher genug, um etwas Neues zu beginnen. Sicher genug, um nicht mehr darüber nachzudenken, was schiefgehen könnte.
Ich dachte, irgendwann würde dieser Moment kommen.
Dieser innere Satz:
Jetzt bin ich bereit.
Aber erstaunlich oft kam er nicht.
Stattdessen kamen Zweifel.
Was, wenn es nicht funktioniert?
Was, wenn ich mich überschätze?
Was, wenn andere längst viel weiter sind?
Was, wenn ich anfange und irgendwann feststellen muss, dass ich es doch nicht kann?
Und so kann man sehr lange vor einer Tür stehen, durch die man eigentlich längst gehen möchte.
Ich wollte erst sicher sein
Das klingt zunächst vernünftig.
Natürlich möchten wir keine falschen Entscheidungen treffen.
Wir wollen vorbereitet sein. Wir wollen wissen, was wir tun. Wir möchten möglichst vermeiden, später sagen zu müssen: Das war ein Fehler.
Aber irgendwann habe ich verstanden, dass hinter meinem Wunsch nach Sicherheit manchmal etwas ganz anderes steckte:
Ich wollte die Garantie, nicht zu scheitern.
Und diese Garantie gibt es nicht.
Nicht bei einer neuen Arbeit.
Nicht bei einer Beziehung.
Nicht bei einem eigenen Projekt.
Nicht bei einer Veränderung.
Und auch nicht bei einem Traum.
Wir können nachdenken, planen und uns vorbereiten.
Aber irgendwann kommt ein Punkt, an dem uns noch mehr Nachdenken nicht sicherer macht.
Dann stehen wir einfach nur länger an derselben Stelle.
Selbstvertrauen kommt nicht immer zuerst
Früher dachte ich, selbstbewusste Menschen beginnen Dinge, weil sie an sich glauben.
Heute glaube ich, dass es manchmal genau andersherum ist.
Wir beginnen.
Wir machen einen ersten Versuch.
Vielleicht funktioniert er.
Vielleicht auch nicht.
Wir lernen etwas.
Wir versuchen es noch einmal.
Und irgendwann merken wir:
Ich kann mich auf mich verlassen.
Nicht weil immer alles gelingt.
Sondern weil wir erleben, dass ein Fehler uns nicht zerstört.
Dass wir korrigieren können.
Dass wir lernen können.
Dass wir weitermachen können.
Vielleicht wächst Selbstvertrauen deshalb nicht nur aus positiven Gedanken.
Vielleicht wächst es aus Erfahrungen, die wir uns selbst ermöglichen.
Du musst noch nicht wissen, ob du es kannst
Vielleicht gibt es etwas, das du schon länger tun möchtest.
Und jedes Mal kommt dieser Gedanke:
Ich bin noch nicht so weit.
Dann möchte ich dir heute eine andere Frage mitgeben:
Wie würdest du erkennen, dass du bereit bist?
Woran genau?
Müsstest du keine Angst mehr haben?
Keine Zweifel?
Alles wissen?
Dürftest du keinen Fehler mehr machen?
Wenn das die Bedingungen sind, kann es sein, dass du sehr lange wartest.
Vielleicht bedeutet bereit sein nämlich gar nicht:
Ich habe keine Angst.
Vielleicht bedeutet es manchmal nur:
Ich habe Angst – aber ich möchte trotzdem herausfinden, was passiert, wenn ich es versuche.
Das ist ein großer Unterschied.
Der erste Schritt darf klein sein
Du musst morgen nicht kündigen.
Du musst nicht dein ganzes Leben verändern.
Du musst nicht sofort das große Projekt beginnen.
Manchmal reicht etwas Kleines.
Eine Information einholen.
Eine Seite schreiben.
Eine Bewerbung abschicken.
Einen Anruf machen.
Eine Entscheidung aussprechen.
Eine halbe Stunde mit etwas verbringen, das dir wichtig ist.
Nicht um sofort anzukommen.
Sondern um deinem eigenen Leben ein Zeichen zu geben:
Ich bewege mich.
Und vielleicht entsteht genau dabei das Gefühl, auf das du so lange gewartet hast.
Dein Gedanke für heute
Vielleicht bist du noch nicht vollkommen bereit.
Vielleicht zweifelst du.
Vielleicht weißt du noch nicht, ob es funktioniert.
Das bedeutet nicht automatisch, dass du auf dem falschen Weg bist.
Du darfst vorsichtig sein.
Du darfst langsam gehen.
Du darfst unterwegs lernen.
Und du darfst deine Richtung korrigieren.
Aber vielleicht musst du nicht länger darauf warten, dass irgendwann sämtliche Zweifel verschwinden.
Denn manchmal entsteht der Mut nicht vor dem ersten Schritt.
Manchmal entsteht er, weil wir ihn gegangen sind.
Du musst heute noch nicht wissen, wie weit du kommst.
Vielleicht reicht eine viel kleinere Entscheidung:
Ich fange an.
Herzlichst
Gudrun Marquardt
→ Warum du dich nie gut genug fühlst – obwohl du längst genug leistest