Verschiebe dein Leben nicht immer auf später
Wie oft hast du schon gedacht: Wenn es erst einmal ruhiger wird …
Dann mache ich das.
Dann nehme ich mir wieder mehr Zeit für mich.
Dann fahre ich irgendwohin.
Dann kümmere ich mich um das, was mir Freude macht.
Dann werde ich wieder mehr leben.
Ich kenne dieses „Dann“ gut.
Es klingt vernünftig. Schließlich gibt es gerade Wichtigeres. Etwas muss erledigt, gelöst oder durchgestanden werden.
Also wartet das eigene Leben noch ein bisschen.
Nur kommt irgendwann eine unangenehme Erkenntnis:
Das Leben wird nicht irgendwann anfangen. Es findet längst statt.
Auch heute.
An einem ganz gewöhnlichen Dienstag.
Mit unerledigter Arbeit, offenen Fragen und Dingen, die noch nicht so sind, wie wir sie gerne hätten.
Ich habe oft auf den richtigen Zeitpunkt gewartet
Ich dachte lange, erst müsse etwas abgeschlossen sein.
Erst die Arbeit.
Erst ein Problem.
Erst eine schwierige Phase.
Erst müsste ich mich besser fühlen oder wieder mehr Kraft haben.
Dann wäre endlich Raum für mich.
Aber dieser vollkommen freie Raum kam selten.
Denn sobald eine Sache erledigt war, stand meistens schon die nächste vor der Tür.
Und irgendwann habe ich mich gefragt:
Wie viel von meinem Leben möchte ich eigentlich noch damit verbringen, auf mein Leben zu warten?
Diese Frage hat etwas in mir verändert.
Nicht sofort mein Leben.
Aber meinen Blick darauf.
Es muss nicht alles erledigt sein
Vielleicht kennst du das.
Du sitzt draußen in der Sonne und denkst an das, was du eigentlich noch tun solltest.
Du trinkst einen Kaffee und bist mit deinen Gedanken schon wieder bei der nächsten Aufgabe.
Du möchtest etwas Schönes machen, aber zuerst müsste noch dies und jenes erledigt werden.
Und wenn endlich alles geschafft ist, bist du müde.
Dann wird aus:
„Das mache ich später.“
irgendwann:
„Vielleicht morgen.“
Und aus morgen kann erstaunlich schnell nächste Woche, nächstes Jahr oder irgendwann werden.
Dabei sind es oft gar nicht die großen Träume, die uns fehlen.
Es sind die kleinen Momente, in denen wir wieder spüren:
Ich bin nicht nur hier, um Dinge zu erledigen.
Leben muss nicht spektakulär sein
Vielleicht haben wir auch deshalb Schwierigkeiten damit, weil wir bei „mehr leben“ sofort an etwas Großes denken.
Reisen.
Neuanfang.
Abenteuer.
Eine vollkommen andere Zukunft.
Aber vielleicht ist Leben heute etwas viel Kleineres.
Du gehst noch eine Runde draußen, obwohl zuhause etwas liegenbleibt.
Du setzt dich zehn Minuten in die Sonne.
Du rufst jemanden an, dessen Stimme du gerne hörst.
Du kaufst dir die Blumen.
Du liest ein paar Seiten.
Du hörst Musik.
Du fährst irgendwohin, nur weil du dort gerne sein möchtest.
Nicht weil es produktiv ist.
Nicht weil etwas dabei herauskommen muss.
Sondern weil du da bist.
Und weil dieser Tag zu deinem Leben gehört.
Freude muss nicht verdient werden
Vielleicht ist genau das der Gedanke, den ich heute weitergeben möchte.
Wir behandeln Freude manchmal wie eine Belohnung.
Erst leisten.
Dann genießen.
Erst alles erledigen.
Dann ausruhen.
Erst die Probleme lösen.
Dann leben.
Aber wer hat eigentlich festgelegt, dass diese Reihenfolge immer stimmen muss?
Du darfst etwas Schönes erleben, obwohl noch etwas unerledigt ist.
Du darfst lachen, obwohl gerade nicht alles leicht ist.
Du darfst einen guten Tag haben, obwohl es in deinem Leben ein Problem gibt.
Und du darfst dir Zeit nehmen, ohne sie vorher durch genügend Leistung verdient zu haben.
Freude nimmt deinen Problemen nichts von ihrer Bedeutung.
Aber deine Probleme müssen auch nicht jeden schönen Moment bekommen.
Dein Gedanke für heute
Vielleicht gibt es etwas, das du schon länger aufschiebst.
Nichts Großes.
Etwas, bei dem du immer wieder denkst:
Das mache ich, wenn …
Wenn mehr Zeit ist.
Wenn ich weniger müde bin.
Wenn alles andere erledigt ist.
Wenn es besser passt.
Dann frag dich heute einmal:
Muss ich wirklich warten?
Vielleicht lautet die Antwort Ja.
Aber vielleicht auch nicht.
Vielleicht kannst du heute zehn Minuten davon leben.
Einen kleinen Anfang machen.
Einen schönen Moment zulassen.
Oder dir einfach erlauben, etwas zu tun, das keinen anderen Zweck hat, als dass es dir guttut.
Denn irgendwann besteht unser Leben aus all den Tagen, von denen wir dachten, sie seien nur die Zeit zwischen den wichtigen Dingen.
Dabei waren sie es längst.
Dein Leben wartet nicht auf den perfekten Zeitpunkt.
Und vielleicht solltest du es auch nicht mehr tun.
Herzlichst
Gudrun Marquardt
→ Lebensfreude wiederfinden: Du darfst dich wieder auf dein Leben freuen