Du darfst dich wieder auf dein eigenes Leben freuen
Es gibt Zeiten, in denen man morgens nicht aufwacht und denkt:
Was für ein schöner Tag.
Man wacht auf und denkt zuerst an das, was erledigt werden muss.
An Termine. Verpflichtungen. Dinge, die noch nicht gelöst sind. An etwas, das gestern schwer war und heute immer noch da ist.
Und irgendwann kann daraus eine Gewohnheit werden.
Man lebt.
Man funktioniert.
Man macht weiter.
Aber man freut sich immer seltener auf das eigene Leben.
Diesen Unterschied finde ich wichtig.
Denn ein Leben muss nicht schlecht sein, damit uns die Freude daran verloren geht.
Manchmal waren wir einfach zu lange damit beschäftigt, alles irgendwie hinzubekommen.
Ich dachte oft: Wenn erst einmal …
Ich kenne diese Gedanken gut.
Wenn erst einmal dieses Problem gelöst ist.
Wenn erst einmal wieder mehr Ruhe eingekehrt ist.
Wenn erst einmal alles erledigt ist.
Wenn erst einmal der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Dann.
Dann werde ich wieder mehr genießen.
Dann mache ich die Dinge, die mir guttun.
Dann freue ich mich wieder.
Nur hat das Leben eine ziemlich eigenwillige Angewohnheit:
Kaum ist eine Sache erledigt, steht die nächste vor der Tür.
Und wenn wir auf den Zeitpunkt warten, an dem endlich alles stimmt, können Jahre vergehen.
Das habe ich irgendwann verstanden.
Ich kann mein Leben nicht immer auf später verschieben.
Glück beginnt nicht erst, wenn alles gut ist
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich mit den Jahren gewonnen habe:
Ich muss nicht warten, bis mein Leben vollkommen in Ordnung ist, um einen schönen Moment zu haben.
Beides kann gleichzeitig existieren.
Etwas kann mich beschäftigen – und trotzdem darf ich lachen.
Ich kann noch keine Lösung haben – und trotzdem einen Kaffee in der Sonne genießen.
Ich kann müde sein – und trotzdem etwas Schönes sehen.
Ich kann einen schwierigen Weg vor mir haben – und trotzdem neugierig darauf sein, was mein Leben noch für mich bereithält.
Früher hätte ich vielleicht gedacht, das passe nicht zusammen.
Heute glaube ich:
Genau so ist Leben.
Nicht entweder schwer oder schön.
Oft ist es beides.
Und vielleicht entsteht Frieden nicht dadurch, dass irgendwann nichts Schwieriges mehr passiert.
Vielleicht entsteht er, wenn das Schwierige nicht mehr alles andere in uns überdecken darf.
Es wartet noch Leben auf dich
Dieser Gedanke gefällt mir.
Nicht weil ich weiß, was morgen passieren wird.
Das weiß niemand.
Sondern weil wir so leicht glauben, das Leben, das wir bisher gelebt haben, sei bereits die ganze Geschichte.
Aber wer sagt das?
Du kennst noch nicht alle Menschen, denen du begegnen wirst.
Du kennst noch nicht alle Orte, an denen du einmal stehen wirst.
Du kennst noch nicht jedes Gespräch, das dich berühren wird.
Du weißt noch nicht, worüber du in einem Jahr lachen wirst.
Du kennst noch nicht jeden Gedanken, der etwas in dir verändern wird.
Und vielleicht gibt es sogar Seiten an dir selbst, die du noch gar nicht kennengelernt hast.
Das finde ich tröstlich.
Wir müssen heute noch nicht wissen, was kommt, um uns darauf freuen zu dürfen.
Du musst dein Leben nicht neu erfinden
Vielleicht brauchst du keinen großen Neuanfang.
Vielleicht muss morgen nicht alles anders sein.
Manchmal beginnt die Rückkehr ins eigene Leben viel unspektakulärer.
Du machst das Fenster auf und spürst die Luft.
Du gehst ein paar Minuten nach draußen.
Du hörst ein Lied, das du lange nicht gehört hast.
Du kaufst dir Blumen, ohne dass jemand Geburtstag hat.
Du setzt dich mit deinem Kaffee hin, obwohl noch etwas erledigt werden könnte.
Oder du entscheidest einfach:
Heute soll nicht nur aus Müssen bestehen.
Das verändert vielleicht noch nicht dein ganzes Leben.
Aber es verändert diesen Moment.
Und unser Leben besteht am Ende aus genau solchen Momenten.
Dein Gedanke für heute
Vielleicht gibt es gerade Dinge in deinem Leben, die du gerne anders hättest.
Du musst sie nicht schönreden.
Du musst dir auch nicht einreden, dass alles wunderbar ist.
Aber gib ihnen nicht jeden Platz in dir.
Lass heute irgendwo eine kleine Tür offen für etwas anderes.
Für einen schönen Gedanken.
Für Vorfreude.
Für Ruhe.
Für einen Moment, in dem du nichts beweisen musst.
Und vielleicht auch für diesen Satz:
Mein Leben muss noch nicht perfekt sein, damit ich mich wieder darauf freuen darf.
Du bist noch unterwegs.
Es darf noch Schönes kommen.
Es darf leichter werden.
Du darfst neue Entscheidungen treffen, alte Gedanken loslassen, lachen, neugierig werden und Dinge entdecken, von denen du heute noch nichts weißt.
Und du musst dafür heute nicht dein ganzes Leben verändern.
Vielleicht reicht es, ihm wieder ein kleines Stück entgegenzugehen.
Herzlichst
Gudrun Marquardt
→ Du musst heute noch nicht wissen, wie dein Leben weitergeht