Textbild zum Tagesimpuls über die Frage, warum es schwerfällt, stolz auf sich selbst zu sein.
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Warum kann ich nicht stolz auf mich sein?

Warum kann ich nicht stolz auf mich sein – obwohl ich so viel geschafft habe?

Es gibt diese merkwürdigen Momente.

Du hast etwas geschafft, auf das du lange hingearbeitet hast. Vielleicht war es anstrengend. Vielleicht hast du gezweifelt, zwischendurch aufgegeben und wieder angefangen. Vielleicht weiß außer dir kaum jemand, wie viel Kraft dich dieser Weg gekostet hat.

Und dann ist es endlich geschafft.

Für einen kurzen Moment ist da vielleicht sogar Freude.

Bis dieser eine Gedanke kommt:

„Ja, aber …“

Ja, aber andere schaffen viel mehr.

Ja, aber eigentlich hätte ich das längst können müssen.

Ja, aber es ist noch nicht perfekt.

Ja, aber da fehlt noch so viel.

Und plötzlich ist das, was eben noch ein Erfolg war, wieder klein geworden.

Ich kenne dieses „Ja, aber“ gut.

Es konnte aus etwas, worüber ich mich eigentlich hätte freuen dürfen, innerhalb weniger Augenblicke etwas Selbstverständliches machen.

Nicht schlecht.

Aber eben auch nicht wirklich gut genug.

Warum wir unsere eigenen Erfolge so schnell kleinreden

Bei anderen Menschen konnte ich vieles viel klarer sehen.

Wenn jemand etwas Schwieriges geschafft hatte, dachte ich nicht sofort darüber nach, was diese Person noch besser hätte machen können.

Ich sah den Weg.

Die Mühe.

Vielleicht auch den Mut, überhaupt weiterzumachen.

Bei mir selbst war der Maßstab oft ein anderer.

Was geschafft war, zählte schnell nicht mehr.

Mein Blick ging weiter.

Zum nächsten Ziel.

Zum nächsten Fehler.

Zu dem, was noch fehlte.

Und irgendwann entsteht daraus ein seltsames Leben:

Du gehst vorwärts, aber innerlich fühlt es sich an, als würdest du nie wirklich irgendwo ankommen.

Vielleicht liegt es nicht daran, dass du zu wenig geschafft hast

Manchmal glauben wir, wir könnten erst stolz auf uns sein, wenn wir mehr erreicht haben.

Wenn wir endlich dieses Ziel schaffen.

Wenn wir besser aussehen.

Mehr verdienen.

Sicherer auftreten.

Mehr Anerkennung bekommen.

Das Problem ist nur:

Wenn wir heute nicht sehen können, was bereits da ist, verschiebt sich die Grenze morgen einfach weiter.

Aus einem erreichten Ziel wird sehr schnell das neue Normal.

Und plötzlich fehlt wieder etwas anderes.

Vielleicht liegt die Schwierigkeit deshalb nicht darin, dass wir noch zu wenig erreicht haben.

Vielleicht haben wir nur gelernt, das Fehlende ernster zu nehmen als das Erreichte.

Stolz auf sich zu sein bedeutet nicht, sich für besser zu halten

Ich glaube, genau hier liegt ein Missverständnis.

Stolz auf sich selbst zu sein kann sich fast unangenehm anfühlen.

Als würde man sich wichtigmachen.

Als wäre es eingebildet, die eigene Leistung anzuerkennen.

Doch zwischen Überheblichkeit und Selbstanerkennung liegt ein großer Unterschied.

Ich muss nicht glauben, besser als jemand anderes zu sein, um sagen zu dürfen:

Das war schwer für mich – und ich habe es trotzdem geschafft.

Ich darf anerkennen, dass ich weitergegangen bin.

Dass ich etwas gelernt habe.

Dass ich heute anders reagiere als früher.

Dass ich einen Schritt gemacht habe, den vielleicht niemand außer mir überhaupt bemerkt.

Die wichtigsten Fortschritte bekommen oft keinen Applaus

Vielleicht hast du gelernt, früher zu merken, wann dir etwas zu viel wird.

Vielleicht sagst du nicht mehr automatisch Ja.

Vielleicht entschuldigst du dich nicht mehr für jede Entscheidung.

Vielleicht hörst du inzwischen schneller, wenn deine innere Stimme wieder beginnt, dich kleinzumachen.

Vielleicht bist du noch längst nicht dort, wo du hinmöchtest.

Aber du bist auch nicht mehr dort, wo du einmal warst.

Und genau das übersehen wir so leicht.

Wir warten auf den großen Erfolg, während sich unser Leben längst in kleinen Dingen verändert.

Das „Ja, aber“ macht vieles unsichtbar

Achte einmal darauf, wie oft du dir selbst etwas wegnimmst.

„Das habe ich gut gemacht, aber …“

„Ich bin schon weiter, aber …“

„Eigentlich habe ich viel geschafft, aber …“

Dieses kleine Wort sieht harmlos aus.

Doch manchmal löscht es alles, was davor stand.

Vielleicht musst du das „Aber“ nicht für immer aus deinem Leben streichen.

Vielleicht lässt du es heute nur einmal ein paar Minuten später kommen.

Damit ein anderer Satz überhaupt eine Chance bekommt:

„Ja. Das habe ich geschafft.“

Punkt.

Noch nichts dahinter.

Dein Gedanke für heute

Frag dich heute einmal:

Worauf wäre ich stolz, wenn ich nicht sofort erklären müsste, warum es eigentlich gar nichts Besonderes ist?

Vielleicht fällt dir etwas Großes ein.

Vielleicht etwas, das kein anderer Mensch sehen kann.

Beides zählt.

Und wenn dein Kopf sofort antwortet:

Andere haben viel mehr geschafft.

Dann erinnere dich:

Du musst dich nicht mit einem anderen Leben vergleichen, um dein eigenes anerkennen zu dürfen.

Du musst deine Schritte auch nicht kleiner machen, nur weil noch ein Weg vor dir liegt.

Du darfst sehen, was noch wachsen darf – und gleichzeitig anerkennen, was längst gewachsen ist.

Herzlichst
Gudrun Marquardt

Natürliche Buchbrücke

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