Sich selbst vertrauen lernen – Tagesimpuls von Gudrun Marquardt über Selbstzweifel, Selbstvertrauen und die eigene innere Stimme.
|

Wie du lernst, dir selbst wieder zu vertrauen

Ich habe lange geglaubt, ich müsste erst sicherer werden, bevor ich mir selbst vertrauen kann.

Ich dachte, Selbstvertrauen wäre etwas, das irgendwann da ist, wenn man nur genug gelernt, erlebt oder verstanden hat. Wenn man weniger Fehler macht. Wenn man Entscheidungen trifft, ohne hinterher wieder darüber nachzudenken. Wenn man endlich zu den Menschen gehört, die scheinbar genau wissen, was sie wollen.

Doch so hat es bei mir nicht funktioniert.

Je länger ich darauf wartete, mich wirklich sicher zu fühlen, desto häufiger suchte ich diese Sicherheit außerhalb von mir. Ich hörte darauf, was andere dachten. Ich verglich ihre Meinung mit meiner und gab ihrer oft mehr Gewicht. Nicht unbedingt, weil sie mehr wussten, sondern weil ich meiner eigenen Wahrnehmung nicht genug vertraute.

Und wenn jemand etwas anders sah als ich, begann ich schnell, mich selbst infrage zu stellen.

Vielleicht liege ich falsch.

Vielleicht habe ich etwas übersehen.

Vielleicht weiß der andere es besser.

Das Schwierige daran war nicht, andere Meinungen anzuhören. Das finde ich auch heute wichtig. Wir können von anderen Menschen lernen, und manchmal sehen sie tatsächlich etwas, das wir selbst nicht sehen.

Das Problem begann dort, wo meine eigene Stimme automatisch die leiseste im Raum wurde.

Selbstvertrauen bedeutet nicht, immer sicher zu sein

Heute verstehe ich Selbstvertrauen anders.

Es bedeutet für mich nicht, jede Antwort zu kennen.

Es bedeutet auch nicht, niemals zu zweifeln oder eine Entscheidung später korrigieren zu müssen.

Und schon gar nicht bedeutet es, die Meinung anderer Menschen nicht mehr ernst zu nehmen.

Für mich beginnt Selbstvertrauen inzwischen an einer viel unscheinbareren Stelle:

Meine eigene Wahrnehmung darf genauso viel Raum bekommen wie die der anderen.

Ich darf etwas empfinden, ohne sofort erklären zu müssen, warum.

Ich darf eine Entscheidung treffen und trotzdem unsicher sein.

Ich darf später erkennen, dass ich mich geirrt habe, ohne daraus den Schluss zu ziehen, dass ich mir grundsätzlich nicht vertrauen kann.

Gerade dieser letzte Punkt war für mich wichtig.

Denn wenn wir jeden Fehler als Beweis dafür benutzen, dass wir unserer eigenen Stimme besser nicht folgen sollten, lernen wir irgendwann genau das Gegenteil von Selbstvertrauen.

Wir lernen, uns selbst ständig zu überprüfen.

Vertrauen entsteht nicht vor dem ersten Schritt

Vielleicht habe ich deshalb so lange auf etwas gewartet, das auf diese Weise gar nicht entstehen konnte.

Ich wollte mich erst sicher fühlen und dann handeln.

Heute glaube ich, dass es häufig andersherum funktioniert.

Wir treffen eine kleine Entscheidung.

Wir beobachten, wie sie sich anfühlt.

Manchmal funktioniert sie. Manchmal nicht.

Wir lernen etwas daraus.

Und beim nächsten Mal kennen wir uns selbst ein kleines Stück besser.

So wächst langsam eine Erfahrung, die uns niemand von außen geben kann:

Ich kann mich auf mich verlassen – auch wenn ich nicht immer alles richtig mache.

Das ist für mich etwas vollkommen anderes als die Vorstellung, irgendwann so selbstbewusst zu sein, dass keine Unsicherheit mehr auftaucht.

Vielleicht wird sie immer wieder einmal auftauchen.

Aber sie muss nicht mehr jedes Mal entscheiden, wohin ich gehe.

Die eigene Stimme wieder hören

Manchmal ist die eigene Stimme gar nicht verschwunden.

Sie wurde nur über Jahre von so vielen anderen Stimmen überlagert, dass wir sie kaum noch wahrnehmen.

Von Erwartungen.

Von Vergleichen.

Von Erfahrungen.

Von der Angst, jemanden zu enttäuschen.

Und vielleicht auch von diesem alten Gedanken:

Was, wenn ich nicht gut genug bin?

Dann suchen wir Sicherheit bei anderen, obwohl wir eigentlich lernen müssten, wieder bei uns selbst nachzufragen.

Was denke ich darüber?

Was fühlt sich für mich richtig an?

Was möchte ich, wenn ich für einen Moment nicht darüber nachdenke, was andere davon halten könnten?

Nicht jede Antwort kommt sofort.

Manchmal müssen wir erst wieder lernen, diese Fragen überhaupt auszuhalten.

Doch genau darin kann etwas beginnen, das ich früher immer außerhalb von mir gesucht habe:

Vertrauen in mich selbst.

Dein Gedanke für heute

Vielleicht musst du heute keine große Entscheidung treffen.

Beobachte nur einmal einen kleinen Moment, in dem du dich selbst infrage stellst.

Vielleicht hast du bereits eine Meinung und fragst trotzdem noch drei andere Menschen.

Vielleicht weißt du eigentlich, dass dir etwas nicht guttut, suchst aber noch nach einer Rechtfertigung dafür.

Oder vielleicht möchtest du etwas tun und wartest darauf, dass jemand anderes dir bestätigt, dass es richtig ist.

Dann frag dich:

Was würde meine eigene Stimme sagen, wenn ich ihr heute genauso aufmerksam zuhören würde wie den Stimmen der anderen?

Du musst ihr nicht blind folgen.

Hör sie nur wieder.

Vielleicht beginnt Selbstvertrauen genau dort.

Wenn du diesen Weg weitergehen möchtest

Genau diese Frage – warum wir unserer eigenen Stimme irgendwann weniger glauben und wie alte Selbstzweifel unser Leben beeinflussen – begleitet mich auch in meinem neuen Buch:

„Nicht gut genug – Wie Selbstzweifel dein Leben prägen – und wie du wieder lernst, dir selbst zu vertrauen“

Es ist kein Buch darüber, wie du über Nacht zu einem vollkommen selbstbewussten Menschen wirst.

Es geht um etwas Leiseres.

Darum, alte Zweifel zu erkennen, ihre Wirkung auf das eigene Leben zu verstehen und langsam wieder Vertrauen in sich selbst entstehen zu lassen.

Mehr über mein Buch „Nicht gut genug“ erfahren

E-Book ansehen

Herzlichst
Gudrun Marquardt