Persönliches Textbild von Gudrun Marquardt über Neuanfänge, Unterbrechungen und die Erkenntnis, nicht immer wieder von vorne anfangen zu müssen.
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Du musst morgen nicht wieder von vorne anfangen

Sonntag hat für mich manchmal etwas Merkwürdiges.

Da liegt eine neue Woche vor mir und plötzlich entsteht dieser Gedanke: Morgen fange ich wieder richtig an.

Ich mache meinen Plan. Ich nehme mir Dinge vor. Und ein Teil von mir hofft, dass mit dem Montag auch wieder diese Energie kommt, mit der plötzlich alles leichter wird.

Ich kenne dieses Denken gut.

Ich habe in meinem Leben viele Neuanfänge geplant.

Und natürlich können Neuanfänge etwas Wunderbares sein. Manchmal brauchen wir eine klare Entscheidung und einen Schnitt.

Aber inzwischen frage ich mich, ob wir wirklich so oft neu anfangen müssen, wie wir glauben.

Vielleicht war die vergangene Woche nicht perfekt. Vielleicht hast du etwas nicht geschafft. Vielleicht bist du aus deinem Rhythmus gekommen oder hast etwas wieder liegen gelassen, obwohl du es dir anders vorgenommen hattest.

Das bedeutet nicht, dass alles davor verloren ist.

Du nimmst deine Erfahrungen mit.

Du nimmst das mit, was du bereits gelernt hast.

Du nimmst sogar die Erkenntnis darüber mit, was diesmal nicht funktioniert hat.

Du bist deshalb am Montagmorgen nicht wieder derselbe Mensch, der irgendwann einmal ganz am Anfang stand.

Genau das möchte ich selbst stärker lernen.

Nicht aus jedem schlechten Tag ein Scheitern zu machen.

Nicht nach jeder Unterbrechung einen neuen perfekten Plan zu brauchen.

Und vor allem nicht immer wieder das Gefühl zu erzeugen, ich müsste mich erst sammeln, vorbereiten und neu aufstellen, bevor ich weitergehen darf.

Manchmal darf ich einfach zurückkommen.

An meinen Schreibtisch.

Zu einer Entscheidung.

Zu einem Ziel.

Oder auch zu mir selbst.

Nicht mit dem Anspruch, jetzt endlich alles richtig zu machen.

Sondern mit dem Gedanken:

Hier war ich stehen geblieben. Von hier gehe ich weiter.

Vielleicht ist das viel unspektakulärer als ein großer Neuanfang.

Aber möglicherweise entsteht genau daraus irgendwann etwas, das viel wichtiger ist:

Beständigkeit.

Nicht die Beständigkeit eines Menschen, der niemals müde wird, niemals zweifelt und niemals aus seinem Rhythmus kommt.

Sondern die Beständigkeit eines Menschen, der gelernt hat, zurückzukommen.

Dein Gedanke für diesen Sonntag

Bevor du heute deine neue Woche planst, frage dich:

Was muss ich morgen überhaupt nicht neu anfangen?

Wo kann ich einfach dort weitermachen, wo ich aufgehört habe?

Vielleicht brauchst du morgen keinen neuen Menschen aus dir zu machen.

Vielleicht brauchst du keinen perfekten Montag.

Vielleicht brauchst du nur den nächsten Schritt.

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Herzlichst
Gudrun Marquardt