Wenn innere Erschöpfung nicht sichtbar ist
Ich habe lange geglaubt,
dass Erschöpfung laut sein muss.
Zusammenbrechen.
Nicht mehr können.
Stillstand.
Meine war anders.
Sie war leise.
Und genau deshalb habe ich sie lange überhört.
Ich bin weitergegangen, habe funktioniert, Verantwortung getragen und getan, was notwendig war. Nicht aus besonderer Stärke, sondern aus Gewohnheit. Aus dem inneren Wissen heraus, dass es weitergehen muss – auch dann, wenn etwas in uns längst müde geworden ist.
Innere Erschöpfung zeigt sich selten dramatisch. Sie kommt nicht mit klaren Warnsignalen. Oft ist sie nur ein leises Nachlassen der Lebendigkeit. Freude wird flacher, Entscheidungen schwerer, selbst Ruhe fühlt sich nicht mehr wirklich erholsam an.
Viele Menschen leben lange mit dieser Form von Müdigkeit, ohne sie benennen zu können. Nicht, weil sie schwach sind, sondern weil sie gelernt haben, sich selbst hintenanzustellen. Zu funktionieren. Zu tragen. Still zu bleiben.
Innere Erschöpfung entsteht dort, wo wir über längere Zeit unsere eigenen Grenzen nicht mehr wahrnehmen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Anpassung. Aus Verantwortungsgefühl. Aus dem Wunsch, richtig zu sein.
Achtsamkeit bedeutet in solchen Phasen nicht, noch bewusster weiterzumachen oder sich besser zu organisieren. Sie bedeutet auch nicht, sich zu optimieren oder schneller zu heilen.
Achtsamkeit beginnt dort, wo wir ehrlich hinschauen.
Wo wir wahrnehmen, was da ist, ohne es sofort verändern zu wollen.
Vielleicht ist da eine Müdigkeit, die nichts mit Schlaf zu tun hat.
Vielleicht ein innerer Widerstand, der leise sagt: So nicht mehr.
Vielleicht einfach das Gefühl, sich selbst ein Stück verloren zu haben.
Innere Erschöpfung ist kein Zeichen von Versagen. Sie ist ein Signal. Ein Hinweis darauf, dass etwas in dir Aufmerksamkeit braucht – nicht Druck, nicht Lösungen, sondern Raum.
Heilung beginnt selten mit Antworten. Sie beginnt mit Erlaubnis. Mit dem Innehalten. Mit dem Mut, sich selbst wieder zuzuhören.
Nicht, um etwas zu erreichen.
Nicht, um besser zu werden.
Sondern um zurückzukehren.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, dann darfst du wissen: Du bist nicht allein. Und du musst jetzt nichts tun.
Vielleicht reicht es, für einen Moment da zu bleiben.
Bei dir.
🌱 Eine stille Einladung
Dieses Thema begleitet mich seit vielen Jahren.
Mein Buch „Achtsamkeit – Die Rückkehr zu dir“ ist aus genau dieser Erfahrung entstanden.
Nicht als Anleitung –
sondern als stiller Begleiter für Zeiten innerer Erschöpfung.
