Mach heute etwas, von dem du später erzählen kannst
Es gibt Tage, an die wir uns noch Jahre später erinnern. Nicht unbedingt, weil etwas Großartiges passiert ist. Manchmal war es nur ein spontaner Ausflug, ein unerwartetes Gespräch oder eine kleine Entscheidung, die wir sonst nicht getroffen hätten.
Vielleicht sind wir an einem Ort gelandet, den wir vorher gar nicht kannten. Vielleicht haben wir mit jemandem gelacht, bis uns die Tränen kamen. Oder wir haben etwas ausprobiert, das wir eigentlich schon lange einmal machen wollten.
Und irgendwann erzählen wir davon.
„Weißt du noch, damals …?“
Oft sind es genau diese kleinen Geschichten, die uns besonders lebendig in Erinnerung bleiben.
Wenn ein Tag dem anderen gleicht
Natürlich kann nicht jeder Tag etwas Besonderes sein. Wir haben unseren Alltag, unsere Verpflichtungen und Dinge, die erledigt werden müssen. Manchmal sind wir abends einfach froh, wenn wir uns hinsetzen können und nichts mehr von uns verlangt wird.
Daran ist nichts falsch.
Aber vielleicht kennst du auch dieses Gefühl, wenn du auf die vergangenen Wochen zurückschaust und kaum sagen kannst, was du eigentlich erlebt hast.
Du weißt, dass du beschäftigt warst. Dass du viel erledigt hast. Dass du ständig etwas zu tun hattest.
Aber die Tage verschwimmen miteinander.
Nicht weil dein Leben bedeutungslos wäre. Sondern weil Gewohnheiten manchmal so viel Raum einnehmen, dass kaum noch etwas Unerwartetes dazwischen passt.
Vielleicht brauchen wir deshalb hin und wieder einen kleinen Bruch mit dem Gewohnten.
Nicht um unserem Leben künstlich mehr Aufregung zu geben.
Sondern um wieder etwas zu erleben, das sich anders anfühlt als gestern.
Es muss nichts Großes sein
Wenn wir von Erlebnissen sprechen, denken wir schnell an Reisen, besondere Veranstaltungen oder Dinge, für die wir viel Geld brauchen.
Dabei entstehen schöne Erinnerungen oft viel einfacher.
Vielleicht fährst du heute in einen Ort, in dem du schon lange nicht mehr warst. Vielleicht setzt du dich in ein Café, das du noch nicht kennst. Du besuchst einen kleinen Markt, gehst einen anderen Weg oder rufst jemanden an, mit dem du schon lange nicht mehr gesprochen hast.
Vielleicht probierst du ein neues Rezept aus und es gelingt überhaupt nicht.
Auch daraus kann eine Geschichte werden.
Es muss nicht alles perfekt sein, um später eine schöne Erinnerung zu sein.
Manchmal sind es sogar die ungeplanten Momente, über die wir am meisten lachen.
Wir verschieben das Schöne manchmal zu lange
Vielleicht hast du auch so eine kleine Liste im Kopf.
Dinge, die du irgendwann einmal machen möchtest.
Wenn mehr Zeit ist.
Wenn das Wetter besser wird.
Wenn du dich fitter fühlst.
Wenn das Haus fertig ist, die Arbeit weniger wird oder endlich alle wichtigen Dinge erledigt sind.
Aber manchmal kommt dieser vollkommen freie Zeitpunkt einfach nicht.
Kaum ist eine Aufgabe erledigt, wartet die nächste.
Und wenn wir nicht aufpassen, wird aus unserem „Irgendwann“ ein ständiges Verschieben.
Natürlich lässt sich nicht jeder Wunsch sofort erfüllen. Manche Dinge brauchen Geld, Planung oder bessere gesundheitliche Voraussetzungen.
Aber vielleicht gibt es auch Wünsche, die viel kleiner sind, als wir denken.
Dinge, die wir nicht deshalb aufschieben, weil sie unmöglich wären, sondern weil wir uns noch nicht entschieden haben, ihnen einen Platz zu geben.
Was wäre heute eine kleine schöne Geschichte?
Vielleicht brauchst du heute keinen großen Plan.
Vielleicht reicht eine einzige Frage:
Was könnte ich heute machen, woran ich mich morgen gern erinnere?
Das kann etwas sein, das du allein machst. Vielleicht möchtest du einfach einmal in Ruhe irgendwo sitzen, die Umgebung beobachten und einen Nachmittag genießen, ohne dabei schon an die nächste Aufgabe zu denken.
Vielleicht möchtest du etwas gemeinsam mit einem Menschen erleben, der dir wichtig ist.
Oder du probierst etwas aus, das du bisher noch nie gemacht hast.
Und vielleicht wird daraus gar nichts Besonderes.
Auch das ist in Ordnung.
Denn es geht nicht darum, jeden Tag mit Erlebnissen zu füllen oder ständig etwas vorweisen zu können.
Es geht darum, deinem Leben hin und wieder eine Gelegenheit zu geben, dich zu überraschen.
Vielleicht entsteht die Erinnerung gerade heute
Wir können nicht immer planen, welche Tage uns später besonders in Erinnerung bleiben.
Manche werden wichtig, obwohl wir morgens noch gar nichts davon ahnten.
Ein zufälliges Gespräch. Eine kleine Begegnung. Eine spontane Entscheidung.
Vielleicht liegt genau darin etwas Schönes.
Wir wissen nicht, was ein Tag noch mit sich bringen kann.
Aber wir können manchmal ein wenig dazu beitragen, dass er nicht genauso aussieht wie jeder andere.
Deshalb möchte ich dir heute keinen langen Rat mitgeben.
Nur eine kleine Einladung:
Mach heute etwas, das nicht unbedingt nötig ist, aber schön sein könnte.
Vielleicht entsteht daraus eine Erinnerung.
Vielleicht nur ein guter Nachmittag.
Beides ist etwas wert.
Herzlichst
Gudrun Marquardt