Lass das Gute heute einfach einmal stehen
Vielleicht kennst du diese Situation.
Du trägst ein Kleidungsstück, in dem du dich wohlfühlst. Jemand sieht dich an und sagt: „Das steht dir wirklich gut.“
Und schon antwortest du: „Ach, das ist schon ganz alt.“
Oder jemand bedankt sich für deine Hilfe. Du hast dir Zeit genommen, zugehört oder etwas erledigt, das dem anderen viel bedeutet hat.
Doch statt dich über seine Worte zu freuen, sagst du: „Das war doch selbstverständlich.“
Vielleicht bemerkst du gar nicht, wie schnell du das Gute wieder abschwächst.
Es ist nur ein kleiner Satz. Eine Antwort, über die du nicht weiter nachdenkst.
Aber vielleicht lohnt es sich, heute einmal genauer hinzuhören.
Warum darf etwas Schönes nicht einfach schön sein?
Manchmal fällt es uns leichter, anderen Menschen etwas Nettes zu sagen, als selbst ein freundliches Wort anzunehmen.
Wir sehen, wenn eine Freundin gut aussieht. Wir freuen uns über das, was jemand geschafft hat, und sagen ihm das auch.
Aber sobald jemand etwas Gutes über uns sagt, werden wir unsicher.
Vielleicht möchtest du nicht eingebildet wirken. Vielleicht bist du es nicht gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen.
Oder du siehst selbst sofort etwas, das nicht so schön oder gelungen ist, wie der andere Mensch es empfindet.
Dabei muss ein Kompliment keine objektive Bewertung sein, über die ihr euch einigen müsst.
Vielleicht gefällt jemandem einfach deine neue Frisur. Vielleicht hat er sich wirklich über deine Hilfe gefreut. Vielleicht findet er etwas gelungen, an dem du selbst noch Fehler siehst.
Er darf das so empfinden.
Und du musst ihm nicht erklären, warum er vielleicht unrecht hat.
Ein freundliches Wort ist kein Auftrag
Vielleicht haben wir uns angewöhnt, jedes Lob sofort zu prüfen.
War es wirklich so gut?
Hätte ich mehr machen können?
Hat der andere vielleicht nur etwas Nettes sagen wollen?
Natürlich ist nicht jedes Kompliment aufrichtig. Und du musst auch nicht jede Bemerkung über dein Aussehen oder dein Verhalten willkommen heißen.
Aber wenn dir jemand ehrlich etwas Freundliches sagt, darfst du es annehmen.
Du musst daraus keine Verpflichtung machen, beim nächsten Mal noch besser zu sein.
Du musst nichts zurückgeben, nichts beweisen und auch nicht erklären, warum du das Lob eigentlich nicht verdienst.
Vielleicht darf dieser kleine Moment einfach angenehm sein.
Zwei Worte, die manchmal ungewohnt sind
Beim nächsten freundlichen Wort könntest du etwas ausprobieren.
Du lächelst.
Und sagst:
„Danke. Das freut mich.“
Mehr nicht.
Vielleicht bemerkst du, wie schnell du noch etwas hinzufügen möchtest.
„Aber eigentlich …“
„Dabei habe ich doch nur …“
„So besonders war das gar nicht …“
Vielleicht lässt du diesen zweiten Satz heute einmal weg.
Nicht, weil du plötzlich von dir selbst überzeugt sein musst.
Sondern weil du dem freundlichen Moment erlaubst, ein freundlicher Moment zu bleiben.
Auch du darfst dich über dich freuen
Vielleicht ist es eine schöne Vorstellung, dass wir nicht immer nur unsere Fehler wahrnehmen müssen.
Dass wir uns über etwas freuen dürfen, das uns gelungen ist.
Dass wir ein Kompliment annehmen können, ohne uns dafür zu schämen.
Und dass wir uns selbst mit derselben Freundlichkeit begegnen dürfen, die wir anderen Menschen so selbstverständlich entgegenbringen.
Vielleicht hast du heute einen ruhigen Sonntag vor dir. Vielleicht triffst du jemanden, gehst spazieren oder genießt einfach ein wenig freie Zeit.
Dann nimm dir doch einmal vor, das Gute nicht sofort kleinzureden.
Nicht nur dann, wenn jemand anderes etwas Nettes über dich sagt.
Auch dann, wenn du selbst einen schönen Gedanken über dich hast.
Vielleicht gefällt dir, wie du etwas gemacht hast.
Vielleicht bist du zufrieden mit einer Entscheidung.
Vielleicht freust du dich einfach darüber, wie dein Tag bisher verlaufen ist.
Du musst nicht gleich nach etwas suchen, das noch besser sein könnte.
Manches darf einfach gut sein. Ohne Aber.
Herzlichst
Gudrun Marquardt
Ein kleiner Sonntagsgedanke
Wenn dir heute jemand ein Kompliment macht, probiere einmal aus, einfach nur zu sagen:
„Danke. Das freut mich.“
Und lass es dabei.