Heller Sonntagmorgen mit Kaffee und Buch als Symbol dafür, das Leben zu genießen, ohne ständig an sich arbeiten zu müssen.

Heute musst du dein Leben nicht verbessern

Manchmal habe ich das Gefühl, wir haben aus unserem ganzen Leben ein Projekt gemacht.

Wir wollen gesünder werden.

Gelassener.

Selbstbewusster.

Besser organisiert.

Wir möchten endlich die Dinge erledigen, die schon lange auf uns warten.

Wir wollen uns mehr bewegen, besser essen, weniger nachdenken, mehr auf uns achten und natürlich irgendwann auch noch herausfinden, was wir eigentlich wirklich wollen.

Und selbst wenn wir uns mit persönlicher Entwicklung beschäftigen, entsteht daraus manchmal schon wieder die nächste Aufgabe:

Ich muss noch an mir arbeiten.

Dabei habe ich mich gefragt:

Wann sind wir eigentlich fertig genug, um unser Leben einfach einmal zu genießen?

Vielleicht gibt es diesen Tag gar nicht

Diesen wunderbaren Tag, an dem alles erledigt ist.

Das Haus ist fertig.

Der Körper fühlt sich genauso an, wie wir es uns wünschen.

Alle Probleme sind gelöst.

Wir haben keine Sorgen mehr.

Wir wissen genau, wohin unser Leben geht.

Und selbstverständlich haben wir endlich gelernt, uns selbst vollkommen zu lieben.

Dann könnten wir uns zurücklehnen und sagen:

Jetzt darf ich leben.

Nur – was, wenn dieser Tag niemals kommt?

Nicht weil unser Leben schlecht ist.

Sondern weil Leben nun einmal nie vollkommen fertig wird.

Kaum ist eine Sache erledigt, taucht die nächste auf.

Kaum haben wir eine Antwort gefunden, verändert sich die Frage.

Und während wir darauf warten, irgendwann endlich „angekommen“ zu sein, verstreichen ganz gewöhnliche Tage.

Dienstage.

Donnerstage.

Sonntage.

Und vielleicht waren genau diese gewöhnlichen Tage längst unser Leben.

Du musst heute nichts aus dir machen

Dieser Gedanke gefällt mir.

Heute musst du nicht an der besten Version deiner selbst arbeiten.

Du musst nicht produktiver werden.

Nicht mutiger.

Nicht gelassener.

Nicht erfolgreicher.

Du musst heute auch keine alte Wunde verstehen und keinen Glaubenssatz auflösen.

Du darfst einfach du sein.

Vielleicht trinkst du deinen Kaffee etwas langsamer.

Vielleicht gehst du hinaus und spürst, dass der Herbst längst angefangen hat.

Vielleicht kochst du etwas, das du gerne magst.

Vielleicht rufst du jemanden an.

Vielleicht liest du.

Vielleicht sitzt du einfach eine Weile da und tust etwas, das in keinem Lebensplan einen besonderen Nutzen hat.

Und genau deshalb tut es gut.

Vielleicht ist das auch eine Form der Rückkehr zu dir

Nicht immer weiter.

Nicht immer tiefer.

Nicht immer noch etwas erkennen.

Sondern manchmal einfach wieder merken:

Ich bin da.

Mein Leben findet nicht erst statt, wenn alles besser geworden ist.

Es findet gerade statt.

In diesem Zimmer.

An diesem Tisch.

Bei diesem Spaziergang.

In diesem Gespräch.

In diesem ganz normalen Sonntag.

Vielleicht ist er nicht spektakulär.

Aber vielleicht muss er das auch gar nicht sein.

Was wäre heute einfach schön?

Nicht sinnvoll.

Nicht produktiv.

Nicht gut für deine Entwicklung.

Schön.

Ich mag diese Frage.

Denn vielleicht haben wir uns viel zu lange gefragt:

Was müsste ich heute noch tun?

Und viel zu selten:

Was würde diesen Tag für mich schön machen?

Vielleicht ist die Antwort etwas ganz Kleines.

Dann mach genau das.

Nicht als Belohnung dafür, dass du vorher genug geleistet hast.

Nicht weil du es dir verdient hast.

Sondern weil dieser Tag zu deinem Leben gehört.

Und du auch.

Morgen dürfen wir wieder Pläne machen.

Wir dürfen Ziele haben.

Wir dürfen weiterlernen, wachsen, verändern und ausprobieren.

Aber heute?

Heute musst du dein Leben nicht verbessern.

Heute darfst du es leben.

Herzlichst
Gudrun Marquardt

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