Wenn andere deine Entscheidung nicht verstehen
Ich habe lange geglaubt, eine Entscheidung wäre erst dann wirklich richtig, wenn andere sie auch verstehen können.
Wenn jemand Zweifel hatte, begann ich schnell, selbst wieder zu zweifeln.
Vielleicht habe ich etwas übersehen.
Vielleicht bin ich zu vorschnell.
Vielleicht weiß der andere etwas, das ich nicht sehe.
Und natürlich kann es wertvoll sein, andere Meinungen zu hören. Manchmal brauchen wir einen Blick von außen. Manchmal erkennen andere tatsächlich etwas, das uns selbst entgeht.
Aber bei mir gab es noch etwas anderes.
Ich habe fremde Zweifel oft schneller ernst genommen als meine eigene Überzeugung.
Wenn jemand meine Entscheidung nicht nachvollziehen konnte, verlor sie plötzlich an Sicherheit.
Dabei hatte sich an der Entscheidung selbst gar nichts verändert.
Nur jemand anderes sah sie anders.
Wenn die Meinung anderer wichtiger wird als die eigene
Vielleicht kennst du das.
Du hast über etwas nachgedacht.
Du hast abgewogen.
Vielleicht fühlte sich eine Entscheidung sogar richtig an.
Dann erzählst du jemandem davon.
Und plötzlich kommt ein Satz wie:
„Bist du sicher?“
„Ich würde das nicht machen.“
„Denk noch einmal darüber nach.“
Und schon beginnt etwas in dir zu arbeiten.
Nicht unbedingt, weil die andere Person recht hat.
Sondern weil du ihrer Meinung vielleicht automatisch mehr Gewicht gibst als deiner eigenen.
Ich habe lange nicht bemerkt, wie oft mir das passiert ist.
Ich dachte, ich wäre einfach vorsichtig.
Heute erkenne ich, dass dahinter manchmal etwas anderes steckte:
Ich vertraute meiner eigenen Einschätzung nicht genug.
Nicht jede andere Meinung ist ein Zeichen, dass du falsch liegst
Es gibt Menschen, die einen anderen Weg wählen würden als du.
Das ist normal.
Sie haben andere Erfahrungen.
Andere Ängste.
Andere Wünsche.
Andere Vorstellungen davon, was sicher, vernünftig oder richtig ist.
Deshalb kann jemand deine Entscheidung nicht verstehen und sie kann trotzdem genau die richtige Entscheidung für dein Leben sein.
Das klingt eigentlich selbstverständlich.
Und trotzdem fällt es uns manchmal schwer, genau das auszuhalten.
Denn wenn wir lange versucht haben, Erwartungen zu erfüllen oder niemanden zu enttäuschen, kann Zustimmung sich wie Sicherheit anfühlen.
Dann suchen wir nicht nur Rat.
Wir suchen Bestätigung.
Und wenn diese Bestätigung ausbleibt, beginnen wir wieder an uns selbst zu zweifeln.
Selbstvertrauen bedeutet nicht, keinen Rat mehr anzunehmen
Für mich bedeutet Selbstvertrauen heute nicht, andere Meinungen zu ignorieren.
Im Gegenteil.
Ich möchte zuhören können.
Ich möchte mich auch korrigieren können.
Ich möchte bereit sein, etwas noch einmal zu überdenken.
Aber ich möchte meine eigene Stimme dabei nicht verlieren.
Vielleicht liegt genau darin der Unterschied.
Ich kann jemanden fragen:
„Wie siehst du das?“
ohne daraus automatisch zu machen:
„Sag mir, was ich tun soll.“
Ich kann eine andere Meinung hören, ohne meine eigene sofort zurückzunehmen.
Und ich darf am Ende zu dem Schluss kommen:
Ich verstehe deinen Gedanken.
Aber für mich fühlt sich mein Weg trotzdem richtig an.
Die eigene Stimme darf wieder Gewicht bekommen
Wenn du dich lange an anderen orientiert hast, fühlt sich das vielleicht zunächst ungewohnt an.
Vielleicht sogar egoistisch.
Doch die eigene Meinung ernst zu nehmen bedeutet nicht, dass die Meinung anderer unwichtig wird.
Es bedeutet nur:
Deine eigene steht nicht mehr automatisch an letzter Stelle.
Das ist etwas, das ich selbst langsam lernen musste.
Nicht jede Unsicherheit bedeutet, dass ich falsch liege.
Nicht jeder Zweifel eines anderen muss zu meinem Zweifel werden.
Und nicht jeder Mensch muss verstehen, warum ich einen bestimmten Weg gehe.
Manchmal reicht es, dass ich selbst weiß, warum ich ihn gehen möchte.
Dein Gedanke für heute
Vielleicht gibt es gerade eine Entscheidung in deinem Leben, bei der du immer wieder andere fragst.
Dann frage dich einmal:
Suche ich gerade wirklich nach einem neuen Blickwinkel – oder hoffe ich darauf, dass jemand mir erlaubt, meiner eigenen Entscheidung zu vertrauen?
Und noch etwas:
Was würdest du entscheiden, wenn niemand seine Meinung dazu sagen würde?
Du musst die Antwort nicht sofort umsetzen.
Vielleicht reicht es für heute, sie überhaupt einmal zu hören.
Denn manchmal beginnt Selbstvertrauen genau dort:
wenn die eigene Stimme wieder genauso viel Gewicht bekommt wie die Stimmen der anderen.
Wenn du diesen Gedanken weiter vertiefen möchtest
In meinem Buch „Nicht gut genug – Wie Selbstzweifel dein Leben prägen – und wie du wieder lernst, dir selbst zu vertrauen“ geht es auch darum, warum wir unserer eigenen Wahrnehmung irgendwann weniger glauben und wie sehr das unsere Entscheidungen beeinflussen kann.
Nicht darum, nie wieder zu zweifeln.
Sondern darum, sich selbst nicht mehr automatisch weniger zu glauben als allen anderen.
→ Mehr über „Nicht gut genug“ erfahren
→ Buch auf Amazon ansehen
Herzlichst
Gudrun Marquardt