Nicht jeder Zweifel bedeutet, dass du falsch gehst
Am Anfang kann sich eine Entscheidung erstaunlich klar anfühlen.
Du hast lange überlegt, vielleicht gezögert, irgendwann aber gesagt: Ich mache es.
Und plötzlich ist da Bewegung.
Du fängst an. Du beschäftigst dich damit. Vielleicht bist du sogar ein bisschen stolz auf dich, weil du endlich nicht nur darüber nachdenkst.
Doch dann passiert etwas, das ich gut kenne.
Die erste Begeisterung wird leiser.
Etwas funktioniert nicht so schnell wie gedacht. Du machst einen Fehler. Die erhoffte Reaktion bleibt aus. Andere scheinen viel weiter zu sein. Oder du merkst einfach, dass der Weg anstrengender ist, als du erwartet hast.
Und plötzlich ist er wieder da:
der Zweifel.
Aus einer Schwierigkeit wird schnell ein Urteil
Das finde ich im Rückblick besonders interessant.
Denn aus:
Das ist gerade schwierig.
wird sehr schnell:
Vielleicht ist es falsch.
Aus:
Ich sehe noch kein Ergebnis.
wird:
Es funktioniert nicht.
Und aus:
Ich weiß noch nicht genau, wie es geht.
wird:
Ich kann das nicht.
Aber das sind vollkommen unterschiedliche Aussagen.
Nur fühlen sie sich in diesem Moment oft gleich an.
Vielleicht liegt genau dort eine Stelle, an der wir uns selbst immer wieder verlieren.
Wir beurteilen nicht mehr das Problem.
Wir beurteilen plötzlich uns selbst und unseren ganzen Weg.
Und dann erscheint eine Möglichkeit besonders verlockend:
Aufhören.
Oder noch einmal neu anfangen.
Einen besseren Plan suchen. Noch mehr lernen. Etwas anderes ausprobieren.
Hauptsache, wir müssen nicht länger an dieser unangenehmen Stelle bleiben, an der wir noch nicht wissen, ob wir es schaffen.
Vielleicht verlangt dieser Moment keine neue Entscheidung
Vielleicht verlangt er nur, dass du nicht sofort wieder davonläufst.
Natürlich gibt es Zweifel, auf die wir hören sollten.
Nicht jeder Weg ist richtig. Nicht jedes Ziel bleibt wichtig. Und manchmal ist Aufhören tatsächlich die klügste Entscheidung.
Aber Zweifel allein beweisen noch nichts.
Manchmal kommen sie einfach, weil die erste Begeisterung vorbei ist.
Weil etwas jetzt Geduld verlangt.
Weil wir noch lernen.
Oder weil wir zum ersten Mal an einer Stelle angekommen sind, an der wir früher schon wieder umgedreht hätten.
Vielleicht lohnt sich deshalb eine andere Frage.
Nicht sofort:
Soll ich aufhören?
Sondern:
Will ich wirklich aufhören – oder bin ich gerade nur an einer Stelle angekommen, die mir noch fremd ist?
Ich finde, zwischen diesen beiden Fragen liegt ein großer Unterschied.
Denn vielleicht ist dein Zweifel heute kein Stoppschild.
Vielleicht ist er nur ein Zeichen dafür, dass du nicht mehr dort stehst, wo du angefangen hast.
Und vielleicht beginnt genau hier etwas Neues:
Nicht wieder von vorne anzufangen, sondern dir selbst zu erlauben, weiterzugehen.
Morgen möchte ich genau darüber ausführlicher schreiben.
Denn vielleicht bremsen wir uns gar nicht am Anfang am stärksten aus.
Vielleicht tun wir es genau dann, wenn aus einem Wunsch langsam ein echter Weg werden könnte.
Herzlichst
Gudrun Marquardt