Warum du deine eigenen Erfolge so schnell vergisst
Vielleicht kennst du diesen Moment: Du hast etwas geschafft, auf das du lange hingearbeitet hast. Eine schwierige Aufgabe ist erledigt, ein Problem gelöst oder ein Vorhaben endlich umgesetzt. Für einen kurzen Augenblick bist du erleichtert. Vielleicht sogar ein bisschen stolz.
Doch noch bevor du dieses Gefühl richtig genießen kannst, wandern deine Gedanken weiter.
Was muss ich als Nächstes erledigen? Was hätte ich besser machen können? Warum habe ich dafür so lange gebraucht?
Und schon ist der Erfolg, über den du dich eben noch gefreut hast, in den Hintergrund gerückt.
Es ist erstaunlich, wie schnell manche Menschen ihre eigenen Leistungen als selbstverständlich betrachten. Was gestern noch schwierig erschien, zählt heute kaum noch, weil es inzwischen geschafft ist.
Vielleicht geht es dir manchmal genauso.
Wenn das Erreichte plötzlich selbstverständlich wird
Stell dir vor, du hast über Wochen an einem Projekt gearbeitet. Es gab Schwierigkeiten, du musstest Entscheidungen treffen, hast Fehler korrigiert und immer wieder nach Lösungen gesucht.
Irgendwann ist es fertig.
Ein anderer Mensch würde vielleicht sagen: Das hast du wirklich gut gemacht.
Doch deine eigene Antwort lautet möglicherweise: Ach, das war doch nichts Besonderes.
Oder du denkst sofort an die Dinge, die noch nicht perfekt sind.
Dabei hast du etwas geschafft, das vorher noch nicht da war.
Warum fällt es uns manchmal so schwer, das anzuerkennen?
Ein möglicher Grund liegt darin, wie wir gelernt haben, unsere Leistungen zu beurteilen.
Wenn wir uns hauptsächlich an dem messen, was noch fehlt, wird das Erreichte schnell unsichtbar.
Die Aufgabe ist erledigt, also gehört sie zur Vergangenheit. Was übrig bleibt, ist die nächste Herausforderung.
So entsteht ein Alltag, in dem wir ständig etwas erreichen, uns aber nur selten darüber freuen.
Der innere Maßstab, der immer weiterwandert
Manche Menschen haben früh gelernt, dass gute Leistungen erwartet werden.
Eine gute Note war selbstverständlich. Eine sehr gute Note hätte vielleicht noch besser sein können. Wer fleißig war, bekam neue Aufgaben. Wer etwas geschafft hatte, sollte sich nicht zu lange darauf ausruhen.
Natürlich ist es sinnvoll, sich weiterzuentwickeln und Ziele zu haben.
Schwierig wird es jedoch, wenn wir daraus die Vorstellung übernehmen, dass das, was wir heute leisten, niemals ausreicht.
Dann verschiebt sich unser innerer Maßstab immer weiter.
Wir glauben, zufrieden zu sein, sobald wir ein bestimmtes Ziel erreicht haben. Doch kaum sind wir dort angekommen, erscheint bereits das nächste Ziel.
Vielleicht wolltest du einmal eine bestimmte berufliche Position erreichen. Vielleicht hast du dir vorgenommen, dein Zuhause zu renovieren, ein Buch zu schreiben oder eine schwierige Lebensphase zu bewältigen.
Du hast es geschafft.
Und trotzdem fällt es dir schwer, anzuerkennen, was dafür notwendig war.
Stattdessen siehst du vor allem, was noch vor dir liegt.
Warum Anerkennung von außen nicht immer genügt
Vielleicht loben dich andere Menschen für etwas, das du geschafft hast.
Sie sehen deine Ausdauer, deine Fähigkeiten oder deinen Mut. Sie freuen sich mit dir und sagen dir, dass du stolz sein kannst.
Doch innerlich kommt dieses Lob nicht richtig an.
Du relativierst es. Du erklärst, dass du Glück hattest, dass andere es genauso geschafft hätten oder dass das Ergebnis eigentlich noch besser sein könnte.
Manchmal steckt dahinter die Schwierigkeit, den eigenen Wert unabhängig von Leistung wahrzunehmen.
Wenn du dich nur dann gut genug fühlst, wenn du etwas Besonderes geschafft hast, hält dieses Gefühl oft nicht lange an.
Denn schon morgen gibt es wieder etwas, das du noch nicht erreicht hast.
Und damit beginnt die Suche nach dem nächsten Beweis.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum manche Menschen unglaublich viel leisten und trotzdem ständig an sich zweifeln.
Sie haben gelernt, sich anzustrengen.
Aber nicht unbedingt, sich selbst anzuerkennen.
Stolz auf dich zu sein bedeutet nicht, stehen zu bleiben
Vielleicht denkst du jetzt, dass du dich nicht zu sehr auf deinen Erfolgen ausruhen möchtest.
Du hast schließlich noch Ziele.
Das ist verständlich.
Doch es gibt einen Unterschied zwischen Zufriedenheit und Stillstand.
Du kannst anerkennen, was du erreicht hast, und trotzdem weitergehen.
Du kannst dich über einen gelungenen Schritt freuen, ohne deshalb deine nächsten Pläne aufzugeben.
Und du darfst stolz auf deine Ausdauer sein, auch wenn das Ergebnis nicht vollkommen geworden ist.
Vielleicht müssen wir uns dafür von der Vorstellung verabschieden, dass nur außergewöhnliche Leistungen zählen.
Manchmal ist es bereits ein Erfolg, eine schwierige Situation durchgestanden zu haben. Eine Entscheidung getroffen zu haben, vor der man lange Angst hatte. Oder trotz Rückschlägen an etwas drangeblieben zu sein, das einem wichtig ist.
Nicht jeder Fortschritt ist für andere sichtbar.
Aber das macht ihn nicht weniger wertvoll.
Schau nicht nur auf das, was noch fehlt
Vielleicht möchtest du heute einmal bewusst zurückblicken.
Nicht auf alles, was du noch erledigen musst.
Sondern auf etwas, das du in den vergangenen Monaten geschafft hast.
Was war damals schwierig? Welche Hindernisse musstest du überwinden? Was hast du gelernt? Welche Entscheidung hat Mut gebraucht?
Versuche, diesen Erfolg nicht sofort kleinzureden.
Du musst niemandem davon erzählen. Du musst dich auch nicht feiern lassen.
Vielleicht genügt es, dir selbst einzugestehen: Das war nicht selbstverständlich. Ich habe etwas dafür getan.
Und wenn du anschließend wieder an deine nächsten Aufgaben denkst, ist das vollkommen in Ordnung.
Aber nimm das, was du bereits erreicht hast, mit.
Wenn du nach jedem Erfolg nur siehst, was du noch nicht geschafft hast, wirst du nie erkennen, wie weit du schon gekommen bist.
Vielleicht besteht ein Teil deiner Rückkehr zu dir darin, dass du lernst, dich nicht ausschließlich an deinen unerledigten Aufgaben zu messen.
Sondern auch an deinem Mut, deiner Entwicklung und an all den Schritten, die dich bis hierhergebracht haben.
Herzlichst
Gudrun Marquardt
Ein Gedanke für heute: Welche Leistung aus den vergangenen Monaten hast du bisher kaum gewürdigt, obwohl sie dich Kraft, Zeit oder Mut gekostet hat?
Wenn du dich ständig beweisen musst
Manchmal reicht selbst ein großer Erfolg nicht aus, um das Gefühl loszuwerden, nicht gut genug zu sein.
Genau mit solchen alten Selbstzweifeln und ihren Auswirkungen auf unser Leben beschäftige ich mich in meinem Buchprojekt Nicht gut genug.
Mehr über meine Bücher und meine Arbeit findest du auf