Immer alles schaffen müssen – wenn Stärke und zu viel Verantwortung zur Belastung werden.

Du musst nicht mehr die Frau sein, die immer alles schafft

Es gibt Frauen, bei denen andere ziemlich sicher sein können:

Sie macht das schon.

Wenn etwas organisiert werden muss, kümmert sie sich.

Wenn jemand Hilfe braucht, findet sie eine Lösung.

Wenn es schwierig wird, hält sie durch.

Wenn sie selbst müde ist, macht sie eben langsamer – aber sie macht weiter.

Vielleicht kennst du diese Rolle.

Ich kenne sie auch.

Und lange kann sie sich sogar gut anfühlen. Schließlich bedeutet sie auch, dass man etwas kann. Dass man zuverlässig ist. Dass andere einem vertrauen.

Irgendwann merkt man vielleicht gar nicht mehr, wie selbstverständlich man geworden ist.

Für andere.

Und für sich selbst.

Denn wenn du lange die Frau warst, die alles irgendwie hinbekommt, entsteht eine merkwürdige Erwartung:

Du erwartest es irgendwann selbst von dir.

„Ich schaffe das schon“ kann ein ziemlich schwerer Satz werden

Es gibt Zeiten, da ist genau dieser Satz wichtig.

Er trägt uns durch schwierige Phasen.

Wir entdecken Kräfte, von denen wir vorher nichts wussten. Wir lösen Probleme. Wir stehen wieder auf. Wir machen weiter.

Darauf dürfen wir durchaus stolz sein.

Aber vielleicht sollte aus einer Stärke keine lebenslange Verpflichtung werden.

Denn irgendwann kann aus:

Ich kann das.

etwas anderes werden:

Also muss ich es auch machen.

Und genau dort beginnt sich etwas zu verschieben.

Du fragst nicht mehr:

Will ich das überhaupt noch?

Du fragst nur noch:

Wie bekomme ich das auch noch hin?

Das ist ein großer Unterschied.

Vielleicht hast du dir selbst zu viel zugetraut – nur auf die falsche Art

Wir sprechen oft davon, dass Frauen sich mehr zutrauen sollten.

Das stimmt in vielen Bereichen.

Aber vielleicht gibt es auch Frauen, die sich längst sehr viel zutrauen.

Sie trauen sich zu, alles aufzufangen.

Noch eine Aufgabe zu übernehmen.

Noch jemanden zu unterstützen.

Noch ein Problem zu lösen.

Noch ein bisschen länger durchzuhalten.

Was sie sich dagegen manchmal kaum zutrauen, ist etwas ganz anderes:

Etwas liegen zu lassen.

Jemanden enttäuscht sein zu lassen.

Nicht sofort zu reagieren.

Zu sagen:

Das kann ich – aber ich möchte es trotzdem nicht übernehmen.

Oder sogar:

Dafür bin ich nicht verantwortlich.

Vielleicht braucht auch das Selbstvertrauen.

Was würde passieren, wenn du es einmal nicht regelst?

Das ist eine interessante Frage.

Nicht bei Dingen, die wirklich erledigt werden müssen.

Sondern bei all dem, was wir automatisch übernehmen, weil wir es immer übernommen haben.

Was passiert, wenn du nicht erinnerst?

Nicht nachfragst?

Nicht vorausdenkst?

Nicht sofort einspringst?

Vielleicht macht es jemand anderes.

Vielleicht dauert es länger.

Vielleicht wird es nicht so gemacht, wie du es gemacht hättest.

Vielleicht ist sogar jemand kurz enttäuscht.

Und vielleicht passiert etwas, das wir viel zu selten erleben:

Du hast plötzlich ein kleines Stück Kraft übrig.

Nicht für die nächste Aufgabe.

Für dich.

Stärke bedeutet nicht, alles tragen zu können

Vielleicht haben wir Stärke manchmal falsch verstanden.

Als würde eine starke Frau daran zu erkennen sein, wie viel sie aushält.

Wie lange sie funktioniert.

Wie viele Menschen sich auf sie verlassen können.

Aber was, wenn Stärke irgendwann auch bedeutet, zu merken:

Ich könnte das noch tragen. Aber ich möchte mein Leben nicht mehr nur damit verbringen, zu beweisen, wie viel ich tragen kann.

Dieser Gedanke gefällt mir.

Denn vielleicht musst du gar nicht schwächer werden.

Vielleicht musst du deine Stärke nur wieder für dein eigenes Leben benutzen.

Für Dinge, die dir wichtig sind.

Für etwas, das du lernen möchtest.

Für einen Wunsch, den du schon lange verschiebst.

Für einen Nachmittag, an dem niemand etwas von dir bekommt.

Oder einfach dafür, morgens nicht schon mit dem Gefühl aufzuwachen, wieder für alles zuständig zu sein.

Du musst heute nichts Großes verändern.

Aber vielleicht kannst du einmal beobachten, wie oft dieser Satz in deinem Leben auftaucht:

Ich mache das schon.

Und dann frag dich:

Muss ich wirklich?

Vielleicht lautet die Antwort manchmal Ja.

Aber vielleicht erstaunlich oft auch:

Nein. Ich habe es nur immer gemacht.

Und genau dort könnte ein kleines Stück deines eigenen Lebens wieder anfangen.

Herzlichst
Gudrun Marquardt

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