Mach deine Zukunft nicht so klein wie deine heutigen Zweifel
Manchmal entscheiden wir erstaunlich früh, was für uns möglich ist.
Das kann ich nicht.
Dafür bin ich nicht der Typ.
Das schaffe ich sowieso nicht.
Dafür ist es jetzt zu spät.
Und damit ist die Sache erledigt, noch bevor wir überhaupt herausgefunden haben, ob sie stimmt.
Ich kenne dieses Denken gut. Man schaut auf das, was man heute kann, weiß oder sich zutraut – und versucht damit vorherzusagen, was morgen möglich sein wird.
Aber genau darin liegt ein Denkfehler.
Wir berechnen unsere Zukunft mit einer Version von uns, die dort noch gar nicht angekommen ist.
Du kennst die Frau von morgen noch nicht
Diesen Gedanken mag ich.
Denn wenn ich zurückblicke, gab es vieles in meinem Leben, von dem ich irgendwann noch nicht wusste, dass ich es einmal tun, lernen oder bewältigen würde.
Warum sollte das heute anders sein?
Vielleicht gibt es Dinge, die du heute tatsächlich noch nicht kannst.
Na und?
Du konntest vieles einmal nicht.
Du hast gelernt. Erfahrungen gemacht. Fehler gemacht. Dinge verstanden, die du vorher nicht verstanden hast.
Und genau das wird auch in Zukunft passieren.
Trotzdem behandeln wir unser heutiges Können manchmal wie eine endgültige Grenze.
Ich kann das nicht.
Vielleicht wäre ein ehrlicherer Satz:
Ich kann das noch nicht.
Dieses kleine Wort verändert erstaunlich viel.
Denn plötzlich ist die Tür nicht mehr zu.
Vielleicht darfst du dich selbst noch überraschen
Wir sprechen oft darüber, uns selbst zu kennen.
Das ist wichtig.
Aber manchmal frage ich mich, ob wir uns nicht auch zu schnell festlegen.
So bin ich eben.
Das liegt mir nicht.
Das würde ich niemals machen.
Vielleicht stimmt manches davon.
Vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht gibt es eine Seite von dir, die du noch gar nicht kennst, weil dein bisheriges Leben sie nie gebraucht hat.
Vielleicht bist du mutiger, als du denkst.
Vielleicht kreativer.
Vielleicht unabhängiger.
Vielleicht kannst du etwas lernen, das dir heute noch viel zu groß erscheint.
Vielleicht wirst du eines Tages eine Entscheidung treffen, vor der du heute noch zurückschreckst.
Ich finde den Gedanken wunderschön, dass wir uns selbst noch überraschen können.
Nicht weil plötzlich alles möglich wäre.
Sondern weil noch nicht alles entschieden ist.
Lass deine heutigen Zweifel nicht über dein ganzes Morgen bestimmen
Natürlich gibt es Grenzen.
Nicht jeder Traum wird Wirklichkeit. Nicht alles, was wir ausprobieren, funktioniert. Und manchmal müssen wir Pläne verändern, weil das Leben selbst andere Bedingungen stellt.
Aber zwischen „Alles ist möglich“ und „Das kann ich sowieso nicht“ liegt ein riesiger Raum.
Dort findet das wirkliche Leben statt.
Wir probieren.
Wir lernen.
Wir verändern etwas.
Wir verwerfen etwas.
Wir werden besser.
Wir finden vielleicht sogar etwas, wonach wir gar nicht gesucht hatten.
Und deshalb möchte ich meine Zukunft nicht mehr so klein planen, dass sie genau zu meinen heutigen Zweifeln passt.
Vielleicht möchte ich ihr lieber etwas Platz lassen.
Für Überraschungen.
Für neue Gedanken.
Für Fähigkeiten, die noch wachsen können.
Und für eine Version von mir, die ich heute noch gar nicht kenne.
Vielleicht möchtest du das auch.
Dann musst du heute noch nicht wissen, was alles in dir steckt.
Vielleicht darfst du anfangen, es herauszufinden.
Und vielleicht ist das eine der schönsten Möglichkeiten, die wir uns selbst geben können:
Nicht schon heute zu entscheiden, wer wir morgen sein dürfen.
Herzlichst
Gudrun Marquardt
→ Warum wir uns selbst ausbremsen, kurz bevor sich etwas verändern könnte