Das Leben wieder genießen und bei aller persönlichen Entwicklung die Freude am eigenen Leben nicht vergessen.

Vergiss bei all deinen Zielen nicht, warum du überhaupt losgegangen bist

Nach all den Gedanken dieser Woche möchte ich heute etwas nicht vergessen.

Wir haben darüber gesprochen, mutiger zu werden. Entscheidungen zu treffen. Nicht sofort wieder umzukehren, wenn Zweifel auftauchen. Uns selbst mehr zu vertrauen und nicht bei jedem Fehler wieder von vorne anzufangen.

Das alles ist wichtig.

Aber irgendwann sollten wir uns auch fragen:

Wofür eigentlich?

Doch nicht, damit unser Leben am Ende aus einem einzigen großen Projekt namens „Ich muss noch an mir arbeiten“besteht.

Wir sind nicht hier, um uns jeden Tag zu verbessern.

Wir möchten doch auch leben.

Lachen. Uns auf etwas freuen. Einen schönen Ort sehen. Musik hören. Mit jemandem zusammensitzen und die Zeit vergessen. Morgens aufwachen und nicht sofort daran denken, was wir heute alles schaffen oder an uns verändern sollten.

Vielleicht sogar einmal einen vollkommen gewöhnlichen Sonntag haben, der sich einfach gut anfühlt.

Persönliche Entwicklung ist kein Selbstzweck

Vielleicht möchtest du selbstbewusster werden, weil du endlich Entscheidungen treffen möchtest, die wirklich zu dir passen.

Vielleicht möchtest du Grenzen setzen, damit nicht deine ganze Kraft immer nur zu anderen fließt.

Vielleicht möchtest du alte Verletzungen verstehen, damit sie nicht jeden neuen Tag mitbestimmen.

Vielleicht möchtest du lernen, dir selbst wieder zu vertrauen.

Aber auch dahinter liegt etwas.

Du möchtest dein eigenes Leben wieder spüren.

Und genau das dürfen wir bei all dem Nachdenken über uns selbst nicht vergessen.

Manchmal machen wir sogar aus persönlicher Entwicklung wieder eine Leistung.

Wir lesen. Lernen. Hinterfragen uns. Arbeiten an unseren Gedanken. Wollen gelassener, selbstbewusster, achtsamer und stärker werden.

Und plötzlich haben wir nur eine weitere Liste von Dingen, in denen wir noch nicht gut genug sind.

Das kann doch nicht das Ziel sein.

Vielleicht darfst du auch einfach einmal leben

Nicht alles muss heute einen Sinn haben.

Nicht alles muss dich weiterbringen.

Nicht jeder Spaziergang braucht Schritte auf einer Uhr.

Nicht jedes Buch muss dir etwas beibringen.

Nicht jedes Gespräch muss tief sein.

Und nicht jeder freie Nachmittag muss sinnvoll genutzt werden.

Manches darf einfach schön sein.

Ich glaube, wir vergessen das manchmal.

Gerade wenn wir lange funktioniert haben, fällt uns sogar das Genießen schwer. Dann sitzen wir irgendwo, haben eigentlich frei – und denken schon wieder daran, was noch erledigt werden müsste.

Der Körper sitzt.

Der Kopf arbeitet weiter.

Vielleicht ist deshalb auch Freude etwas, das wir wieder zulassen dürfen.

Nicht erst, wenn alles erledigt ist.

Nicht erst, wenn wir endlich die Frau geworden sind, die wir glauben sein zu müssen.

Jetzt. Mitten in diesem noch unperfekten Leben.

Worauf möchtest du dich wieder freuen?

Das ist meine Frage für heute.

Nicht:

Was muss ich noch verändern?

Nicht:

Wo muss ich noch an mir arbeiten?

Sondern:

Worauf möchtest du dich in deinem Leben wieder freuen?

Vielleicht fällt dir sofort etwas ein.

Vielleicht auch nicht.

Dann fang klein an.

Ein Frühstück, auf das du Lust hast.

Ein Spaziergang.

Ein Ort, den du schon lange einmal besuchen möchtest.

Ein Buch.

Musik.

Ein Gespräch.

Oder einfach ein paar Stunden, in denen du nicht versuchst, aus dir oder deinem Leben etwas zu machen.

Denn vielleicht ist genau das etwas, das wir uns wieder erlauben dürfen:

Das Leben nicht nur zu bewältigen, zu verstehen oder zu verbessern – sondern es zwischendurch einfach zu erleben.

Du bist nicht diesen ganzen Weg gegangen, um anschließend dein ganzes Leben an dir zu arbeiten.

Du bist losgegangen, um wieder mehr davon zu leben.

Herzlichst
Gudrun Marquardt

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