Du musst nicht wissen, ob es klappt
Wie viele Dinge haben wir nicht angefangen, weil wir vorher wissen wollten, ob sie funktionieren?
Ich kenne diesen Gedanken gut.
Wenn ich schon Zeit, Kraft oder Hoffnung in etwas stecke, möchte ich natürlich wissen: Lohnt sich das überhaupt?
Wird etwas daraus? Werde ich durchhalten? Bin ich gut genug dafür? Und was, wenn ich am Ende feststellen muss, dass es nicht funktioniert hat?
Das klingt zunächst vernünftig.
Schließlich möchte niemand seine Zeit verschwenden oder enttäuscht werden.
Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass in diesem Wunsch nach Sicherheit auch eine Falle liegen kann.
Denn wir verlangen von einem Anfang etwas, das er uns gar nicht geben kann:
Wir möchten das Ende kennen, bevor wir den Weg gegangen sind.
Vielleicht stellen wir die falsche Frage
Wird es funktionieren?
Diese Frage beschäftigt uns oft so sehr, dass wir gar nicht mehr anfangen.
Aber vielleicht gibt es eine bessere:
Ist es mir wichtig genug, ihm eine echte Chance zu geben?
Das verändert etwas.
Denn plötzlich musst du nicht mehr beweisen, dass du erfolgreich sein wirst.
Du musst nicht wissen, wie lange es dauert.
Du musst auch nicht heute schon die Frau sein, die alles kann, was sie auf diesem Weg einmal brauchen wird.
Du darfst anfangen.
Du darfst lernen.
Du darfst Fehler machen.
Du darfst deine Richtung verändern, wenn du unterwegs etwas Neues verstehst.
Und du darfst sogar irgendwann feststellen:
Nein, das war es doch nicht.
Auch das wäre keine verlorene Zeit.
Denn dann weißt du etwas, das du vorher nicht wissen konntest.
Nicht jeder Versuch muss ein Erfolg werden
Vielleicht haben wir uns viel zu sehr daran gewöhnt, alles nach seinem Ergebnis zu beurteilen.
Hat es funktioniert?
Hat es sich gelohnt?
War es erfolgreich?
Aber ein Leben besteht nicht nur aus Dingen, die am Ende genau so geworden sind, wie wir sie geplant hatten.
Manche Wege zeigen uns erst unterwegs, was wir eigentlich suchen.
Manche Entscheidungen bringen uns zu Menschen, Gedanken oder Möglichkeiten, von denen wir vorher nichts wussten.
Und manche Versuche gehen tatsächlich schief.
Auch das gehört dazu.
Was ich inzwischen viel trauriger finde, ist eine andere Vorstellung:
Irgendwann zurückzuschauen und zu denken:
Ich hätte so gern gewusst, was daraus geworden wäre. Aber ich habe es nie versucht.
Vielleicht brauchst du deshalb heute keine Garantie.
Vielleicht reicht etwas anderes:
Neugier.
Mal sehen, was passiert.
Mal sehen, was ich dabei lerne.
Mal sehen, ob ich vielleicht mehr kann, als ich mir bisher zugetraut habe.
Das gefällt mir viel besser als der Gedanke, schon am Anfang wissen zu müssen, wo ich am Ende ankomme.
Denn vielleicht klappt es nicht.
Vielleicht klappt es aber auch nur noch nicht.
Und diesen Unterschied kannst du nur herausfinden, wenn du dir selbst und deinem Weg etwas Zeit gibst.
Du musst das Ende heute nicht kennen.
Aber nimm dir nicht jede Möglichkeit, nur weil du es noch nicht sehen kannst.
Gib deinem Leben die Chance, dich zu überraschen.
Herzlichst
Gudrun Marquardt
→ Weitere Tagesimpulse
→ Mehr über „Nicht gut genug“ erfahren