Ruhiger Sonntagmorgen als Symbol für mehr Leichtigkeit im Leben und das Loslassen belastender Gedanken.

Vielleicht darf dein Leben leichter werden

Ich habe lange geglaubt, dass ein gutes Leben irgendwann beginnt.

Wenn bestimmte Dinge erledigt sind. Wenn Probleme gelöst sind. Wenn ich mehr geschafft habe. Wenn ich endlich an einem Punkt angekommen bin, an dem ich sagen kann: Jetzt ist alles in Ordnung.

Vielleicht kennst du diesen Gedanken.

Wir warten auf diesen einen Zustand, in dem nichts mehr drückt, nichts mehr offen ist und wir uns endlich zurücklehnen können.

Nur kommt das Leben selten an diesen Punkt.

Irgendetwas ist fast immer.

Eine Sorge. Eine Aufgabe. Eine Entscheidung. Ein Mensch, um den wir uns Gedanken machen. Etwas am Haus. Etwas bei der Arbeit. Etwas mit unserem Körper. Oder einfach eine dieser Phasen, in denen das Leben mehr Kraft verlangt als sonst.

Und wenn wir erst dann glücklich sein dürfen, wenn all das verschwunden ist, verschieben wir etwas sehr Kostbares immer weiter nach hinten:

unseren inneren Frieden.

Ich dachte, ich müsste erst alles lösen

Das war lange eine meiner Gewohnheiten.

Wenn mich etwas beschäftigte, wollte ich eine Lösung.

Am besten sofort.

Ich dachte darüber nach. Ging Möglichkeiten durch. Überlegte, was passieren könnte. Versuchte vorauszuplanen und abzusichern.

Und manchmal löste ich damit tatsächlich etwas.

Aber manchmal tat ich noch etwas anderes:

Ich nahm das Problem überallhin mit.

An den Frühstückstisch.

In den Feierabend.

Ins Bett.

In einen eigentlich schönen Moment.

Der Körper war vielleicht längst zur Ruhe gekommen – nur der Kopf arbeitete weiter.

Und irgendwann habe ich verstanden:

Nicht alles, worüber ich heute nachdenken kann, kann ich heute auch lösen.

Das klingt so einfach.

Für mich war es das lange nicht.

Du darfst etwas für heute liegenlassen

Vielleicht gibt es gerade etwas in deinem Leben, das noch keine Antwort hat.

Dann darf es trotzdem Sonntag sein.

Du darfst Kaffee trinken und aus dem Fenster schauen.

Du darfst spazieren gehen.

Du darfst lachen.

Du darfst einen schönen Nachmittag haben.

Du darfst für ein paar Stunden vergessen, dass da noch etwas Ungeklärtes wartet.

Das ist keine Gleichgültigkeit.

Und es bedeutet auch nicht, vor Problemen davonzulaufen.

Es bedeutet nur:

Ich muss nicht jede Last in jeder Minute tragen.

Dieser Gedanke hat etwas Befreiendes.

Denn vieles, was uns erschöpft, ist nicht nur das, was tatsächlich passiert.

Es ist auch die Tatsache, dass wir es gedanklich immer wieder erleben.

Vielleicht beginnt Leichtigkeit genau dort

Nicht mit einem vollkommen sorgenfreien Leben.

Sondern mit kleinen Momenten, in denen wir etwas ablegen.

Die Erwartung, heute noch eine Antwort finden zu müssen.

Den Gedanken daran, was jemand über uns denken könnte.

Die Liste dessen, was eigentlich noch erledigt werden sollte.

Den Anspruch, alles richtig machen zu müssen.

Vielleicht sogar für einen Moment die Frage, wie es weitergeht.

Nicht für immer.

Nur für jetzt.

Manchmal brauchen wir keine neue Lösung.

Manchmal brauchen wir einen Moment, in dem wir wieder merken, dass neben einem Problem immer noch ein ganzes Leben existiert.

Schau einmal, was trotzdem da ist

Vielleicht fällt heute Licht durch dein Fenster.

Vielleicht schmeckt der erste Kaffee besonders gut.

Vielleicht schnurrt eine Katze neben dir.

Vielleicht ruft jemand an, dessen Stimme du gerne hörst.

Vielleicht gehst du nach draußen und merkst, dass die Luft schon anders riecht als vor ein paar Wochen.

Das sind keine großen Ereignisse.

Und vielleicht liegt genau darin ihr Wert.

Sie verlangen nichts von uns.

Wir müssen nichts beweisen.

Nichts erreichen.

Wir müssen sie nur bemerken.

Vielleicht ist Glück manchmal viel stiller, als wir es uns vorgestellt haben.

Dein Gedanke für diesen Sonntag

Du musst heute nicht dein Leben ordnen.

Du musst nicht alle Antworten kennen.

Und du musst auch nicht jeden Gedanken zu Ende denken.

Vielleicht darf heute etwas ungelöst bleiben.

Vielleicht darf etwas bis morgen warten.

Und vielleicht darfst du dir selbst für ein paar Stunden erlauben, einfach da zu sein.

Nicht als die Frau, die noch etwas erledigen muss.

Nicht als die Frau, die für alle mitdenkt.

Nicht als die Frau, die an sich arbeiten sollte.

Einfach als du.

Mit einem Kaffee.

Mit einem Spaziergang.

Mit Musik.

Mit einem Buch.

Mit einem Menschen, bei dem du gerne bist.

Oder ganz allein und trotzdem nicht einsam.

Vielleicht wird dein Leben nicht plötzlich leicht.

Aber vielleicht darf es heute ein kleines bisschen leichter sein.

Und manchmal ist genau das genug.

Herzlichst
Gudrun Marquardt

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