Persönliches Textbild von Gudrun Marquardt über negative Selbstgespräche, Selbstwert und einen freundlicheren Umgang mit sich selbst.
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Würdest du mit einem anderen Menschen so reden wie mit dir selbst?

Ich habe lange geglaubt, dass ich streng mit mir sein muss.

Wenn ich etwas erreichen wollte, musste ich mich eben zusammenreißen. Wenn ich etwas nicht geschafft hatte, durfte ich nicht nach Ausreden suchen. Und wenn ich einen Fehler machte, suchte ich schnell danach, was ich hätte besser machen müssen.

Das klingt zunächst vielleicht nach Disziplin.

Doch irgendwann habe ich bemerkt, dass meine innere Stimme häufig nicht mehr nur ehrlich oder fordernd war.

Sie war hart.

Interessanterweise hätte ich mit einem anderen Menschen in derselben Situation wahrscheinlich ganz anders gesprochen.

Ich hätte gesehen, wie sehr er sich bemüht. Ich hätte verstanden, dass niemand jeden Tag gleich leistungsfähig ist. Und wenn etwas nicht funktioniert hätte, hätte ich vermutlich gesagt: Dann schauen wir, was du verändern kannst.

Nur bei mir selbst fehlte dieses Verständnis häufig.

Da wurde aus einem Fehler schnell ein persönlicher Mangel.

Aus einem langsamen Tag wurde mangelnde Disziplin.

Und aus einem Rückschritt entstand wieder der alte Zweifel, ob ich überhaupt gut genug bin.

Lange habe ich nicht erkannt, wie viel Kraft diese Art, mit mir selbst zu sprechen, eigentlich kostet.

Denn Druck kann uns kurzfristig antreiben.

Aber wenn wir uns ständig nur mit dem konfrontieren, was wir noch nicht können, noch nicht geschafft haben oder hätten besser machen müssen, entsteht daraus nicht automatisch Stärke.

Manchmal entsteht daraus einfach nur Erschöpfung.

Heute möchte ich etwas anderes lernen.

Ich möchte ehrlich mit mir bleiben, ohne mich dabei kleinzumachen.

Wenn ich etwas aufschiebe, darf ich mich fragen, warum.

Wenn ich einen Fehler mache, darf ich daraus lernen.

Wenn ich merke, dass ich mich selbst wieder ausbremse, darf ich mich auch einmal deutlich daran erinnern, was ich eigentlich möchte.

Aber zwischen Ehrlichkeit und Selbstabwertung liegt ein großer Unterschied.

Vielleicht besteht Selbstachtung nicht darin, sich jeden Morgen vor dem Spiegel zu erzählen, wie großartig man ist.

Vielleicht beginnt sie viel unspektakulärer.

Mit der Entscheidung, nicht mehr jeden Fehler als Gelegenheit zu benutzen, gegen sich selbst zu sprechen.

Dein Gedanke für heute

Achte heute einmal darauf, was du innerlich zu dir sagst, wenn etwas nicht funktioniert.

Und dann frage dich:

Würde ich mit einem Menschen, den ich liebe und stärken möchte, genauso sprechen?

Wenn deine Antwort Nein lautet, musst du dir nichts vormachen.

Aber vielleicht kannst du denselben Gedanken anders formulieren.

Nicht:

„Warum kriegst du das schon wieder nicht hin?“

Sondern:

„Das hat heute nicht funktioniert. Was brauche ich, damit ich morgen weitergehen kann?“

Beides ist ehrlich.

Aber nur eines davon hilft dir weiter.

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Herzlichst
Gudrun Marquardt