Persönliches Textbild von Gudrun Marquardt über Selbstvertrauen und darüber, der eigenen Stimme wieder mehr zu vertrauen.

Wann hast du aufgehört, deiner eigenen Stimme zu vertrauen?

Ich habe lange der Meinung anderer mehr vertraut als meiner eigenen Wahrnehmung.

Das geschah nicht bewusst. Ich hätte wahrscheinlich sogar gesagt, dass ich durchaus wusste, was ich wollte.

Doch wenn ich genauer hinschaue, erkenne ich etwas anderes.

Eine Idee konnte sich für mich richtig anfühlen – bis jemand daran zweifelte. Ich konnte mich auf etwas freuen – bis eine Reaktion ausblieb. Ich konnte eine Entscheidung getroffen haben und sie kurze Zeit später wieder infrage stellen, wenn jemand anders sie nicht verstand.

So bekam die Meinung anderer eine Macht, die ich ihr eigentlich nie bewusst gegeben hatte.

Vielleicht passiert das, wenn wir lange daran gewöhnt sind, uns selbst über die Reaktionen anderer wahrzunehmen.

Ist jemand zufrieden mit uns, fühlen wir uns sicher.

Ist jemand enttäuscht, beginnen wir zu überlegen, was wir falsch gemacht haben.

Findet jemand unsere Idee gut, wächst unser Mut.

Kommt wenig zurück, schrumpft er wieder.

Irgendwann wird es schwer zu unterscheiden: Was möchte ich eigentlich selbst – und was tue ich, weil ich hoffe, dass es Zustimmung bekommt?

Diese Frage beschäftigt mich heute sehr.

Denn natürlich möchte ich weiterhin zuhören. Ich möchte Kritik annehmen können, lernen und meine Meinung verändern, wenn ich etwas Neues erkenne.

Aber ich möchte meine eigene Stimme dabei nicht mehr automatisch an die letzte Stelle setzen.

Vielleicht ist genau das ein Teil von Selbstvertrauen, den wir oft übersehen.

Selbstvertrauen bedeutet nicht, immer sicher zu sein.

Es bedeutet auch nicht, dass die eigene Meinung immer richtig ist.

Vielleicht bedeutet es zunächst nur:

Meine Wahrnehmung zählt ebenfalls.

Ich darf innehalten, bevor ich meine Entscheidung wieder verwerfe.

Ich darf mich fragen, warum mir etwas wichtig ist.

Und ich darf einen Weg gehen, den nicht jeder Mensch versteht.

Je öfter ich das tue, desto mehr merke ich, dass meine eigene Stimme nicht verschwunden war.

Sie war nur sehr lange von vielen anderen Stimmen überlagert.

Dein Gedanke für heute

Wenn du heute vor einer Entscheidung stehst, frage dich einmal:

Was würde ich wählen, wenn ich für einen Moment nicht darüber nachdenken würde, was andere davon halten?

Du musst deshalb nicht sofort etwas verändern.

Aber hör dir deine eigene Antwort an.

Vielleicht ist deine Stimme viel deutlicher, als du glaubst.

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Herzlichst
Gudrun Marquardt