Wenn du nur noch funktionierst und dich selbst verlierst
Der Moment, in dem du dich selbst verlierst, passiert nicht plötzlich.
Es geschieht leise.
Nicht an einem einzigen Tag.
Nicht in einer großen Krise.
Sondern in vielen kleinen Momenten, in denen du dich selbst immer wieder übergehst.
Du stehst morgens auf, funktionierst, erledigst alles, kümmerst dich um andere, gehst arbeiten, beantwortest Nachrichten, trägst Verantwortung und versuchst stark zu bleiben. Nach außen sieht oft alles normal aus. Vielleicht sagen Menschen sogar, dass du alles gut im Griff hast.
Aber innerlich wird es still.
Nicht die ruhige Stille von Frieden.
Sondern die Stille von Erschöpfung.
Du spürst dich selbst immer weniger.
Deine eigenen Bedürfnisse rücken nach hinten.
Du gewöhnst dich daran, weiterzumachen, obwohl etwas in dir längst müde geworden ist.
Viele Frauen merken erst sehr spät, dass sie sich selbst verloren haben. Weil sie gelernt haben, stark zu sein. Weil sie gelernt haben, durchzuhalten. Weil sie glauben, immer weiter funktionieren zu müssen.
Doch der Körper vergisst nichts.
Irgendwann zeigt sich die innere Überforderung nicht nur emotional, sondern auch körperlich. Müdigkeit. Schwere. Schlafprobleme. Schmerzen. Das Gefühl, ständig angespannt zu sein. Und oft kommt zusätzlich noch dieser leise Zweifel:
„Was stimmt eigentlich nicht mit mir?“
Dabei stimmt oft nicht etwas mit dir nicht.
Sondern mit der Art, wie lange du dich selbst vergessen musstest.
Die Rückkehr zu dir selbst beginnt nicht mit Druck.
Nicht mit Selbstoptimierung.
Nicht damit, noch stärker zu werden.
Sie beginnt in einem ehrlichen Moment.
In dem Moment, in dem du aufhörst, dich selbst zu übergehen.
In dem Moment, in dem du anerkennst, dass du müde bist.
Nicht schwach. Nicht falsch. Sondern erschöpft davon, zu lange alles alleine getragen zu haben.
Achtsamkeit bedeutet nicht, perfekt ruhig zu sein.
Es bedeutet, wieder zu lernen, sich selbst wahrzunehmen.
Vielleicht beginnt Heilung manchmal genau dort:
Nicht im Kämpfen.
Sondern im stillen Wiederfinden deiner eigenen inneren Stimme.
— Gudrun Marquardt